Wirtschaft : Banknotendrucker baut Sicherheitstechnik im E-Commerce auf

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Nach einem Rekordjahr 1999 will sich die Münchner Giesecke & Devrient GmbH vom traditionellen Banknotendrucker zu einem modernen Technologiekonzern wandeln. Im Zentrum dieser Überlegung steht der Ausbau von Sicherheitstechnik im elektronischen Handel per Internet, sagte Konzernchef Willi Berchtold zur Bilanzvorlage in München. Dafür haben die Münchner einen eigenen, vierten Geschäftsbereich gegründet und alle entsprechenden Aktivitäten von Terminals, über Netzwerksicherheit und ID-Systeme dort konzentriert. Zudem wurde im April die Tochter Secartis AG gegründet, die Berchtold als einen Kandidaten für den Neuen Markt sieht. Vor einem Börsengang müsse aber erst Geschäft aufgebaut werden. Binnen drei Jahren sollen die Secartis-Umsätze auf 60 Millionen Mark vervierfacht und schon ein Jahr früher die Gewinnzone erreicht werden.

Mit dieser Internet-Strategie sei man nicht zu spät am Markt, weil Datensicherheit im Netz noch am Anfang stehe, meinte Berchtold. So weigere er sich, bei Internet-Bestellungen seine Kreditkartennummer anzugeben, "weil ich dem Medium nicht traue". Noch offen ist dagegen, ob sich die Münchner um die vor ihrer Privatisierung stehende Berliner Bundesdruckerei für Banknoten bewerben. Dagegen stünden hohe Überkapazitäten vor allem am europäischen Markt für Geldnotendruck. Dies werde Ende 2001 sichtbar, wenn die Erstauflage von rund 13 Milliarden Euro- Noten produziert worden ist. Der dann anstehende Nachdruck werde vorhandene Kapazitäten wohl nur zur Hälfte auslasten, schätzen die Münchner.

Schon dieses Jahr kann Giesecke & Devrient nur mehr auf verringertes Umsatzwachstum hoffen und muss mit einem "deutlichen" Ergebnisrückgang rechnen. Grund dafür seien die Investitionen in die Internet-Zukunft und Preisdruck im traditionellen Geschäft. Die Umsätze, die im Vorjahr um fast ein Drittel auf knapp 1,8 Milliarden Mark zugelegt haben, dürften im laufenden Geschäftsjahr nur noch um sechs Prozent wachsen. Grund dafür seien wegfallende Sondereffekte wie der Druckbeginn für Euronoten sowie Großprojekte für Personalausweise und EC-Karten, die 1999 abgearbeitet wurden. Den Jahresüberschuss konnten die Münchner 1999 auf 78 Millionen Mark vervierfachen.

Davon profitiert das Personal: So sollen im laufenden Jahr insgesamt weitere 700 Stellen geschaffen werden, nachdem schon im Vorjahr über 300 Arbeitsplätze aufgebaut worden sind. Ende vergangenen Jahres zählte Giesecke & Devrient gut 5100 Beschäftigte.

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