Wirtschaft : Bankpleite in Hongkong löst Panik aus

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Weltbörsen brechen um bis zu 9 Prozent ein / Auch der DAX gibt nach / Peregine hofft noch auf Rettungdpa bk ro

HONGKONG (rtr).Eine der größten Banken Asiens, die Peregrine Investments Holdings Ltd, hat am Montag Konkursantrag gestellt.Das Unternehmen teilte in Hongkong mit, Verhandlungen über die Rettung des Investmenthauses seien am Wochenende ohne Erfolg geblieben.Die Pleite trug zu hohen Kursverlusten an der Hongkonger Börse und auch an anderen Märkten der Region bei.Anleger standen am Montag vor dem Peregrine-Hauptsitz in Hongkong Schlange, um ihre Aktiendepots aufzulösen.Hongkongs Bankenaufsicht erklärte, die Pleite habe nur geringe Folgen für das Bankensystem der Sonderverwaltungszone. Am Freitag hatte die Zurich Centre Investments Ltd (ZCI), eine Tochter der Zürich Gruppe, eine zunächst in Aussicht gestellte Beteiligung zur Rettung von Peregrine in Höhe von 200 Millionen Dollar (rund 364 Millionen Mark) zurückgezogen.Zuvor hatte das bereits angeschlagene Unternehmen bei einem Geschäft in Indonesien laut Zeitungsberichten größere Verluste verbucht.Es gebe weiterhin Investoren, die an einer Übernahme eines Teils der Geschäfte interessiert seien, sagte ein Peregrine- Sprecher.Er kündigte für Dienstag eine Pressekonferenz an. Peregrine hatte aufgrund der Geschäftslage bereits im November 275 seiner 2000 Beschäftigten entlassen.Über weitere Entlassungen werde der Konkursverwalter entscheiden der voraussichtlich am Dienstag benannt werde, sagte ein Firmensprecher.Aus Unternehmenskreisen verlautete, das Institut habe bereits Arbeitnehmern mitgeteilt, ihre Bezahlung könne nicht mehr garantiert werden. Das erst 1990 gegründete Unternehmen erreichte nach scheller Expansion sein erfolgreichstes Geschäftsjahr 1995 mit einem Gewinn von 130 Millionen Dollar.Ende 1996 besaß Peregrine Vermögenswerte in Höhe von 3,1 Milliarden Dollar und Verbindlichkeiten von 2,0 Milliarden Dollar. Der Zusammenbruch von Peregrine erschütterte das Vertrauen der Anleger in Hongkong weiter.Der Börsenindex Hang-Seng brach am Montag zwischenzeitlich um über elf Prozent ein.Er schloß den Handel noch mit minus 8,7 Prozent auf 8121,06 Punkten, dem tiefsten Stand seit März 1995.Auch an den Börsen in Tokio und Shanghai wirkte sich die Peregrine-Pleite nach Angaben von Händlern mit deutlichen Kursverlusten aus. Die Hongkonger Aufsichtsbehörde für das Bankenwesen (HKMA) teilte mit, die Banken Hongkongs seien nicht stark an die Peregrine-Gruppe gebunden.Auch die Deutsche Bank erklärte, das Geschäft mit Peregrine habe eine "nicht bedeutsame" Größenordnung für ihren Ertrag.Sie habe ihr Geschäft mit dem Investmenthaus bereits deutlich verringert.Zuvor war in deutschen Radioberichten die Rede davon gewesen, die Deutsche Bank sei einer der größten Gläubiger von Peregrine. Verärgerte Anleger belagerten am Montag die Zentrale der Investmentbank in der Hongkonger Innenstadt.Um ihre bei dem Institut deponierten Aktien an andere Banken zu transferieren, drängten sie in die im New World Tower untergebrachte Firmenzentrale.Peregrine betreut Privatkunden mit großem Anlagevermögen, viele von ihnen kommen aus China. Frankfurt/Main (dpa) - Das asiatische Virus hat zum Wochenbeginn einen Ausverkauf mit Kurseinbruch an den deutschen Börse ausgelöst."Dies ist jedoch nicht der Anfang einer langen Talfahrt", urteilen Frankfurter Aktienexperten.Sie halten die Reaktion der europäischen Börsen auf die neuen Hiobsbotschaften aus Asien für übertrieben.Mutige Börsianer sprechen bereits wieder von attraktiven Kaufkursen.Die Asienkrise habe jedoch den Börsen-Blitzstart 1998 jäh gestoppt.Bis kurz vor Schluß des Computerhandels verlor der Deutsche Aktienindex am Montag rund 170 Punkte auf 4 067 Zähler. Börsenprofis warnen die Kleinanleger vor Panikverkäufen."Ruhe bewahren", lautet ihre Devise.Denn das günstige Aktienumfeld habe sich um keinen Deut verschlechtert, sagt etwa Jürgen Junginger vom Frankfurter Analysehaus Independent Research. Die Volkswirte der Großbanken am Main beurteilen die Folgen der Asienkrise unterschiedlich.Der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich, schätzt die Risiken für das Wirtschaftswachstum in Deutschland als sehr gering ein."Wenn überhaupt", dann sei 1998 mit einer Wachstumseinbuße von 0,25 Prozent zu rechnen.Damit liegt er auf einer Linie mit Wirtschaftsminister Günter Rexrodt, der nicht mit einem massiven Überschwappen der asiatischen Wirtschaftskrise nach Europa oder Nordamerika rechnet. Ulrich Ramm von der Commerzbank räumt dagegen ein, daß die Auswirkungen zunächst unterschätzt wurden.Bisher sei der Exportwirtschaft zwar noch kein Schaden entstanden, größere Stornierungen habe es nicht gegeben.Doch Ramm gibt zu bedenken, daß neue Bestellungen vorerst ausbleiben dürften.Dies treffe vor allem den Maschinenbau.Auch die Automobilindustrie dürfte unter der massiven Abwertung der Währungen in den Tigerstaaten zu leiden haben. Wenn die Weltleitbörse an der New Yorker Wall Street "weiter schwächelt, könnte der Deutsche Aktienindex in den nächsten Tagen die 4000er Marke durchaus noch einmal testen", meint Analyst Junginger.Doch der Dax-Trend kenne in den nächsten Monaten eigentlich nur eine Richtung: steil nach oben."5000 Punkte sind drin, sofern es nicht zum großen Kollaps in Asien kommt." Kleinanlegern empfiehlt er, gelassen zu bleiben.Qualitätstitel sollten auf keinen Fall in einem Anflug von Panikstimmung verkauft werden.Die neuerlichen Turbulenzen brauchten langfristig orientierte Anleger keine schlaflosen Nächte zu bereiten.Nur der Spekulant, der die schnelle Mark machen will, könne Schiffbruch erleiden. Einig sind sich die Börsianer, daß das Börsenumfeld hierzulande weiter ideal ist.Die langfristigen Kapitalmarktzinsen befinden sich auf dem Rückzug und liegen auf historisch niedrigem Niveau.Der Dollar hält sich über 1,80 DM und beflügelt die Exportindustrie.Auch die Wall Street zeigte sich zu Jahresanfang in guter Laune. Impulse dürften von der reichlichen Liquidität zum Jahresbeginn ausgehen, die wegen wenig attraktiver Kapitalmarktzinsen verstärkt nach Anlage im Aktienbereich suche, meinen die Commerzbank-Analysten.Auch fundamental sei ein Kursanstieg untermauert.Die Gewinne der Unternehmen werden auch 1998 und 1999 kräftig zunehmen.Hier wirkten sich die Höherbewertung des Dollar, Umstrukturierungen in den Firmen, sich abzeichnende moderate Lohnabschlüsse und die Konjunkturbelebung positiv aus. Mit der Übernahmephantasie bei Banken und Versicherungen seien die Voraussetzungen gegeben, daß der Dax in diesem Jahr auf ein neues Hoch klettern könne.Unsicherheiten vor der Euro-Entscheidung im Mai und der Bundestagswahl im September werden dabei allerdings nicht ausgeschlossen.

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