Wirtschaft : Bankpleite in Hongkong löst Panik aus

Weltbörsen brechen um bis zu neun Prozent ein / Auch der DAX gibt nach / Peregrine hofft noch auf Rettung HONGKONG (rtr/dpa/AFP).Der Zusammenbruch der größten unabhängigen Investmentbank Asiens, Peregrine Investments Holdings Ltd., hat am Montag Panik an den ostasiatischen Börsen ausgelöst und die Aktienkurse rund um den Globus stürzen lassen.An diesem Tage teilte das Unternehmen in Hongkong mit, Verhandlungen über seine Rettung seien am Wochenende ohne Erfolg geblieben.Daraufhin erlitten die Hongkonger und die Singapurer Börse Verluste um fast neun Prozent.Ähnlich reagierten andere Aktienmärkte in Asien, wo Peregrine in den Wirtschaftszentren ein dichtes Netz von Banken und Brokerfirmen unterhält.Einzige Ausnahme blieb Seoul.Dort stieg der Kospi-Index weiter um 3,5 Prozent, nachdem IWF-Direktor Michel Camdessus von einer verbesserten Finanzlage Südkoreas gesprochen hatte. Später büßten die Aktienkurse in Europa zunächst um drei bis vier Prozent ein.Nachdem sich aber die Kurseinbußen im frühen Handel am New Yorker Aktienmarkt in Grenzen hielten, erholten sich die Kurse am Nachmittag an den europäischen Börsen wieder von ihren Tiefs.Volkswirte warnten vor den wirtschaftlichen Folgen weltweit fallender Preise. Eine Sprecherin von Peregrine erklärte, in ihre Fonds eingezahltes Geld sei vom Konkurs nicht berührt, Anleger erhielten es zurück.Kurz nach Börsenschluß erklärte die Konzernspitze von Peregrine, sie hoffe, Teile der Firma retten zu können.Weltweit müssen voraussichtlich 1700 Mitarbeiter entlassen werden. Gerüchte um Peregrine gab es bereits kurz vor Weihnachten, als 275 Beschäftigten der Bank gekündigt wurde.Kurz vorher hatte der Konzern Probleme wegen der Finanzkrise in Fernost eingeräumt und einem Beteiligungsgeschäft mit der Schweizer Anlagegruppe Zürich Centre Investments zugestimmt. Zu dem Konkurs kam es nun durch den plötzlichen Rückzug der Züricher Firmengruppe, die 24 Prozent der Peregrine-Anteile für 200 Millionen Dollar erwerben wollte.Sie war am Freitag von dem mündlich vereinbarten Vertrag zurückgetreten, nachdem die Peregrine-Aktien seit Mitte November 36 Prozent an Wert verloren hatten.In zusätzliche Schwierigkeiten geriet die Investmentbank, als sie wegen des geplatzten Geschäfts mit Zürich vom Börsenhandel in Hongkong ausgeschlossen wurde. Versuche, für Peregrine kurzfristig neue Investoren zu finden, waren gescheitert.Ausschlaggebend dafür war nach Angaben von Beobachtern das große Engagement des Investmentshauses in Indonesien, wo durch die Währungskrise etliche in Dollar gewährte Großkredite wohl nicht zurückgezahlt werden können.Die indonesische Währung Rupiah hatte in den vergangenen Monaten rund 70 Prozent ihres Wertes verloren.Medien in Hongkong berichteten, schon am Freitag sei Peregrine bei einem New Yorker Termingeschäft zahlungsunfähig gewesen. Die Hongkonger Aufsichtsbehörde für das Bankenwesen teilte mit, die Banken Hongkongs seien kaum an die Peregrine-Gruppe gebunden.Auch die Deutsche Bank erklärte, das Geschäft mit Peregrine habe eine "nicht bedeutsame" Größenordnung für ihren Ertrag.Sie habe ihre Beziehungen zu dem Investmenthaus stark abgebaut.Die Finanzkrise in Japan löste gleichzeitig international eine Flucht in sichere Anlagen aus, von der die deutschen Anleihen profitierten. Währenddessen hat die japanische Regierung ihre Entschlossenheit bekräftigt, das Finanzsystem des Landes zu stabilisieren und ein Übergreifen der Krise auf die Weltwirtschaft zu verhindern.Dafür will Regierungschef Ryutaro Hashimoto 30 000 Mrd.Yen (404 Mrd.DM) mobilisieren.Faule Kredite drohen viele japanische Banken in den Konkurs zu treiben.Diese sind einer neuen Schätzung des Finanzministeriums zufolge mit rund 77 000 Mrd.Yen (etwa eine Billionen DM) fast dreimal so hoch wie bislang angenommen.

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