Wirtschaft : Bankverkauf ausgebremst

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Von Daniel RheePiening

Man fühlt sich an die zehn kleinen Negerlein erinnert: Da war es nur noch Einer. Am Montag hat auch die US-Investorengruppe Lone Star bekannt gegeben, dass sie kein Interesse mehr daran hat, die Bankgesellschaft Berlin zu übernehmen. Die offizielle Begründung der internationalen Investoren für ihren Rückzug fällt auffällig ähnlich aus, wie diejenige, die die Gruppe um Norddeutsche Landesbank und Sparkassen seinerzeit gegeben hat. Es fehle an Informationen, die von der Bank vorgelegten Daten seien nicht ausreichend. Eine Klage übrigens, die die Vertreter von Lone Star bereits vor Wochen vorgetragen haben. Zwar wird dieser Vorwurf von Finanzsenator Thilo Sarrazin nun pflichtschuldig zurückgewiesen, ferner argumentiert der Senator mit rechtlichen Bedingungen. Aber offensichtlich gibt es nicht nur in der Politik sondern auch innerhalb der Gewerkschaften und in der Verwaltung der Bank starke Kräfte, die einen Verkauf an private Investoren verhindern wollen. Mit der Hinhaltetaktik und der Verweigerung von Informationen sind sie ihrem Ziel ein großes Stück näher gekommen.

Als Verhandlungspartner und möglicher Käufer bleibt nur noch die Investorengruppe um den US-Investor Flowers. Diese Gruppe aber will eine umfassende Risikoabschirmung auch für die Zukunft. Ein Modell, auf das sich das Land Berlin keinesfalls einlassen kann. Denn in diesem Punkt ist den Gegnern eines Verkaufs Recht zu geben: Eine Veräußerung um jeden Preis ist keine Lösung. Werden also Verhandlungen geführt, nur um anschließend sagen zu können, man habe alles versucht? In der Tat steht die Privatisierung der Bankgesellschaft vor dem Scheitern. Die Politik ist mit großen Ankündigungen gestartet – nun stehen die Bremser vor einem zweifelhaften Erfolg.

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