Bankwesen : Digitalisierung: Fluch und Segen für Banken

Die rasant voranschreitende Digitalisierung stellt Banken vor neue Chancen - und große Risiken.

Daniel Mosler

Der Trend zur digitalen Welt schreitet rasant voran und durchdringt selbst die kleinsten Bereiche des Lebens. Vor allem für jüngere Kunden ist es mittlerweile kaufentscheident, ob sie auf ihr Produkt auch von unterwegs - über Smartphone oder Laptop - zugreifen können. 2014 nutzten erstmal mehr als die Hälfte aller Bundesbürger Online-Banking für Überweisungen und Konto-Checks. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret warnte nun auf einer Veranstaltung in München davor, deutsche Banken und Sparkassen könnten der starken Konkurrenz aus dem Internet nicht gewachsen sein: "Druck entsteht nicht nur durch eine neue Erwartungshaltung bei Konsumenten und innerhalb der Branche, sondern vor allem durch neue Wettbewerber aus anderen Branchen", erklärte Dombret. Denn die Digitalisierung der Bankgeschäfte schafft nationale Barrieren bei Seite: in den letzten Monaten erlebte der deutsche Finanzsektor eine Flut neuer Anbieter, die mit günstigen Konditionen auf dem deutschen Markt Fuß fassen wollen.

Banken müssen sich neu erfinden

Das nach Experten momentan wachstumsträchtigste Modell ist das der sogenannten "Fintechs". Fintechs leitet sich vom sperrigen Begriff "Finanztechnologie" ab und beschreibt die Arbeitspraxis von Nichtbanken und Startups, die mit Dienstleistungen wie der Ausführung von Banküberweisungen oder der Kreditvergaben wichtige Teile des traditionellen Geschäftes von Banken angreifen. Nach Einschätzung von Analysten sammeln Fintechs pro Monat rund eine Milliarde Dollar an Kapital ein. So gibt es mittlerweile Firmen, die Kreditsucher und -anbieter auf Internet-Plattformen zueinander bringen. Konkurrenz kommt auch von Internet- und IT-Unternehmen, die neue Bezahlformen anbieten. Vieler Experten drängen dazu, die Bankenbranche müsse Antworten darauf finden, dass ihre Kunden immer mehr Geschäfte im Internet erledigen. "Nicht nur angesichts einer drohenden Umverteilung der Gewinnmargen", so Dombret. In der schnelllebigen digitalen Welt werde man rasch abgehängt, wenn man nicht rechtzeitig mit eigenen Angeboten kontern könne. "Banken und Sparkassen müssen sich ein Stück weit neu erfinden."

Digitalisierung birgt auch Gefahren

Den enormen Chancen eines digitalen Bankwesens stehen aber auch große Risiken gegenüber. Kunden, die ihre Bankgeschäfte im Internet abwickeln, sei es über Online-Banking am heimischen Computer oder über Apps auf dem Smartphone, speichern ihre Daten auf Servern weltweit ab. Trotz Sicherheitsmaßnahmen seitens der Anbieter kann ein hundertprozentiger Schutz der Daten nicht garantiert werden. Erst kürzlich demonstrierten zwei Forscher der Uni Erlangen, dass sie über eine infizierte Software Kundendaten von einer Banking-App der Sparkasse ableiten konnten. Die App nutzte das eigentlich als sicher geltende SMS-Tan verfahren, bei dem der Kunde einen für jede Überweisung individuellen Code erhält. Zwar beteuerte die Sparkassen-Gruppe, bei der App handelte es sich um eine veraltete Version, an der Machbarkeit ändert dies aber nichts.

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