Wirtschaft : Bankwesen: Sparkassen werden immer seltener

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Die Zahl der Sparkassen in Deutschland wird langfristig von derzeit rund 560 auf weniger als 100 Institute sinken, die Zahl der Landesbanken von momentan zwölf auf nur noch ein oder zwei. Schon in den nächsten beiden Jahren werde die Zahl der Sparkassen durch Fusionen um etwa 60 abnehmen. Mittelfristig würden 20 bis 25 Prozent der Filialen geschlossen. Gleichzeitig könnte es aufgrund der knappen Kassen bei Kommunen und Ländern und von knappem Eigenkapital der Sparkassen und Landesbanken zu einer Privatisierungswelle kommen. Diese Auffassung vertritt das Bankhaus Sal. Oppenheim in einer jetzt vorgelegten Studie. Den Auslöser für diesen radikalen Wandel sieht Metehan Sen, Finanzexperte bei Sal. Oppenheim, in der Entscheidung der EU, die öffentlichen Garantien für Sparkassen und Landesbanken von Juli 2005 an zu untersagen.

Durch diesen Wegfall, so Sen, würden Sparkassen und Landesbanken mit höheren Refinanzierungskosten konfrontiert. Pro einer Milliarde Mark Eigenkapital rechnet Sen mit zusätzlichen Zinslasten pro Jahr zwischen 3,7 und 7,0 Millionen Mark. Gleichzeitig müssen Landesbanken in einen neuen Haftungsfonds einzahlen. Neben diesen zusätzlichen finanziellen Lasten müssen vor allem die Sparkassen Fusionen suchen, weil ihre Rentabilität immer noch zu gering ist. "Die Sparkassen sind derzeit nicht in der Lage, ihren hohen Marktanteil und ihre große Kundenzahl in eine entsprechende Profitabilität umzuwandeln", sagt Sen. Gemessen an den Bankfilialen in Deutschland haben sie einen Marktanteil von fast 40 Prozent, bei den Kundeneinlagen kommen sie ebenfalls auf rund 40 Prozent. Sie haben etwa 45 Millionen Privatkunden.

Bei Sal. Oppenheim rechnet man damit, dass sich zunächst Sparkassen untereinander zusammenschließen. Das etwa die Deutsche Bank im Sparkassenlager aktiv wird, hält Sen für unwahrscheinlich. Durch die Fusionen werden nach Ansicht von Sen regional starke Sparkassen entstehen, die über Skalen- und Synergieeffekte deutlich profitabler werden. So könnten sich etwa in Köln, München sowie Norddeutschland mit Hamburg, Bremen und Kiel die noch getrennten Sparkassen zusammenschließen und damit unter die 50 größten deutschen Geldhäuser aufsteigen. Ein ähnliches Szenario entwirft Sal. Oppenheim für die Landesbanken: Die WestLB könne beispielsweise mit den Landesbanken Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz zusammengehen, die NordLB mit der Bankgesellschaft Berlin.

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