Wirtschaft : Bar auf die Hand

Die Metall-Arbeitgeber schlagen Einmalzahlungen für die Tarifrunde 2007 vor. Der Investivlohn findet in der Wirtschaft kaum Freunde

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Berlin - Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall will die Beschäftigten mit Einmalzahlungen an der guten Konjunktur beteiligen. „Prozentuale Erhöhungen in der Tabelle sind die eine Sache, konjunkturabhängige Zahlungen die andere“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes, Heike Maria Kunstmann, am Montag dem Tagesspiegel. Wirtschaftsforscher empfahlen den Arbeitnehmern trotz der guten Konjunktur Zurückhaltung bei den Lohnforderungen.

Kunstmann sagte, nachdem die Unternehmen in der vergangenen Runde erstmals eine flexible Einmalzahlung mit der IG Metall verabredet hätten, „haben wir ein klares Votum von den Betrieben, diesen Weg weiterzugehen“. Ihren Angaben zufolge hat von 4800 Metallbetrieben in diesem Jahr rund ein Fünftel das neue Instrument genutzt, indem die Firmen die Zahlung je nach wirtschaftlicher Lage des Betriebs aufstocken oder kürzen. „Die Konkurrenten unserer Firmen kommen oft nicht mehr aus Deutschland, deshalb müssen wir uns am internationalen Wettbewerbsumfeld orientieren, und da liegen unsere Personalkosten immer noch an der Spitze“, sagte Kunstmann.

Auch Ulrich Blum, Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), plädierte für Einmalzahlungen. Dies sei „besser als ein prozentualer Aufschlag, damit die Arbeitskosten nicht auf Dauer steigen“. Er sei skeptisch, ob der Aufschwung in der Metallindustrie so weitergehe wie 2006. „Ein Abschwung in Amerika und eine Schwäche des Dollar würden die exportabhängige Metallbranche treffen.“ In Ostdeutschland sollten die Löhne aber weniger stark steigen. „Der Aufbau ist noch im Gang, da sollte man nicht durch einen zu starken Anstieg die Standortvorteile wieder gefährden“, riet Blum.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hatte angekündigt, die Mitarbeiter in der Tarifrunde 2007 „angemessen am Zuwachs und Erfolg zu beteiligen“. Er warnte zugleich vor überzogenen Lohnabschlüssen. Die Gewerkschaft IG Metall reagierte skeptisch. „Ich hoffe, dass die Arbeitgeber ihren Worten auch Taten folgen lassen“, sagte der Vorsitzende Jürgen Peters. Bislang habe sich die Wirtschaft stets verweigert. Die „gut laufende Konjunktur und die brummenden Gewinne“ seien für jedermann sichtbar. Eine konkrete Lohnforderung nannte Peters nicht. Einzelne IG-Metaller hatten eine Spannbreite von fünf bis sieben Prozent ins Gespräch gebracht.

Olivier Höbel, IG-Metall-Chef von Berlin, Brandenburg und Sachsen, äußerte sich distanziert zur Einmalzahlung. Die Beschäftigten wollten vielmehr eine prozentuale Erhöhung, „die planbar, sicher und dauerhaft im Portemonnaie landet“, sagte er dem Tagesspiegel. Der Erwartungsdruck der Arbeitnehmer sei hoch, auch weil die Situation der Metallbetriebe im Osten „durchweg gut ist“. In der kommenden Tarifrunde will der Metaller mit den Arbeitgebern auch über Ausbildungs- und Familienförderung sprechen. „Den Facharbeitermangel spürt man zunehmend. Zusammen mit der Abwanderung ist das ein Sprengsatz für die Zukunft unserer Branche, insbesondere im Osten“, sagte Höbel. Mit den Arbeitgebern sei daher zu erörtern, „wie wir die Abwanderung stoppen können“.

Zu der Idee, die Arbeitnehmer mittels eines Investivlohns am Firmenerfolg zu beteiligen, äußerte sich Gesamtmetall skeptisch. „Es ist eine steuer- wie beitragsrechtlich komplexe Materie, die Entscheidung muss bei den Eigentümern liegen. Die politische Debatte überzeichnet die Bedeutung des Themas“, befand Hauptgeschäftsführerin Kunstmann.

Auch IG-Metall-Chef Peters ging zum Investivlohn auf Distanz. Das Instrument sei „ein alter Ladenhüter“, erklärte er. Der Arbeitnehmer riskiere dabei nicht nur den Verlust des Arbeitsplatzes, sondern habe auch das Kapitalrisiko. „Ich sehe nicht, welche Vorteile die Einführung der Investivlohn für Arbeitnehmer haben sollte“, urteilte Peters.

Ökonomen beurteilen den Investivlohn unterschiedlich. „Es wäre gut, wenn es die Erhöhungen in dieser Tarifrunde als Investivlohn geben würde“, sagte Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts. „Das ist eine einmalige Chance.“ Normalerweise würde ein Investivlohn den Unternehmen wehtun, weil er zusätzlich zu einer Lohnerhöhung gezahlt werden müsste. „Jetzt aber kann man die Zuwächse verwenden, um den Arbeitnehmern den Aufbau einer zweiten Einkommensquelle zu ermöglichen.“ Die Politik müsse dazu einen Anreiz setzen, indem sie die Erträge nachgelagert besteuere.

Michael Hüther vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) lehnte dies ab. „Bei weiterhin knapp vier Millionen Arbeitslosen gibt es wenig zu verteilen. Mehr als der Produktivitätsanstieg ist nicht verkraftbar“, fand er. „ Es ist eher die Stunde der erfolgsabhängigen Entlohnung der Beschäftigten, die in den Betrieben individuell geregelt werden kann.“ Das sei besser als „ein staatlich verordneter, allgemeiner Investivlohn“.

Hans Paul Frey, Hauptgeschäftsführer beim Arbeitgeberverband der Chemieindustrie, verwahrte sich gegen Ratschläge der Politik für die bevorstehenden Tarifrunden. Dies sei eine „unzulässige Einmischung in die Tarifautonomie“. Von den Unternehmen würden derartige Äußerungen „als Versuch verstanden, Weihnachtsgeschenke auf Kosten anderer zu verteilen“, wehrte sich Frey gegen entsprechende Empfehlungen etwa des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck.

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