Wirtschaft : Barilla wird Kamps nicht aufessen

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Berlin (HB/Tsp). Der italienische Nudel-Hersteller Barilla will die deutsche Großbäckerei Kamps auch nach der Übernahme als getrenntes Unternehmen führen. „Wir werden Kamps nicht aufessen. Kamps wird von uns unterstützt, wird alle Vorteile des Austauschs von Technologie, Know-how und Marketing haben, bleibt aber eine eigene Gesellschaft“, sagte Barilla in einem Interview mit dem Düsseldorfer Handelsblatt.

Das Übernahmeangebot des Nudelherstellers aus Parma für den Düsseldorfer Großbäcker hatte die Branche total überrascht. Seitdem in der vergangenen Woche die Annahmefrist für Kamps-Aktionäre abgelaufen ist, hält Barilla 91,5% der Bäcker-Aktien. Eine gesetzlich vorgeschriebene Nachfrist endet in zwei Wochen. Barilla hatte den Aktionären angeboten, ihre Anteile zum Preis von 12,50 Euro zu übernehmen. Die EU-Kommission hatte die Übernahme des mit rund 800 Millionen Euro verschuldeten Großbäckers mit geringen Auflagen genehmigt.

Die Kamps AG beschäftigt rund 15 000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,7 Milliarden. Euro. Allein in Deutschland unterhält das Unternehmen 1200 Bäckereifilialen.

Der 44-jährige Chef des Familienunternehmens Barilla, der von seinen Angestellten „Presidente“ genannt wird, hat damit den größten Coup in der Firmengeschichte gelandet. Er führt künftig mit seinen beiden Brüdern ein weltweites Brot- und Pasta-Imperium. Nun werde sich der Schwerpunkt des Unternehmens vom Nudelgeschäft deutlich auf Brot und Backwaren verlagern, sagte der Unternehmer.

Barilla sagte, dass das Engagement des Unternehmens bei Kamps langfristig sein werde. „Unsere Gewinn-Erwartungen sind nicht kurzfristig. Man muss den Mut haben, ohne Druck mittel- und langfristige Investitionen zu machen.“ In absehbarer Zeit werde es keine weiteren großen Zukäufe geben, damit das Unternehmensmanagement seine Energien auf die Entwicklung von Kamps konzentrieren könne: „Die Übernahme von Kamps ist für uns eine große Sache, die viel Energie erfordern wird und einen hohen finanziellen Einsatz. Wir werden uns sehr konzentrieren und alle unsere Fähigkeiten darauf verwenden, es gut zu machen. Das ist eine wichtige Verpflichtung, die wir mit Erfolg zu Ende bringen müssen. Für neue Akquisitionen ist da kein Platz.“ Das Unternehmen werde sich wie bisher auf Nudeln, Brot und Backwaren konzentrieren. Es werde keine Entwicklung zu einem großen Nahrungsmittelkonzern mit einem wesentlich breiteren Sortiment geben, sagte der Chef des Familienunternehmens. „

Inzwischen sei das Unternehmen ohne die Hilfe externer Manager nicht mehr denkbar. „Wir sind an der Entwicklung des Produkts interessiert, von Finanzen verstehen wir wenig“, sagte Barilla. „Wir haben allerdings viel darin investiert, die besten Manager zu haben, die ebenso gut unser italienisches Produkt kennen, wie sie in den Sitten und Gebräuchen der Länder zu Hause sind, in denen wir präsent sein wollen.“

Barilla sagte, dass die größte Herausforderung für Lebensmittelhersteller darin liege, die Qualität des Essens kontinuierlich sicherzustellen. Gerade angesichts der Lebensmittelskandale der jüngsten Vergangenheit habe das Unternehmen seine Anstrengungen in dieser Hinsicht noch einmal verstärkt: „wir haben den größten Teil unserer Kapazitäten auf Qualitätskontrolle verwandt.“

Barilla macht den enormen Preisdruck, der in der Branche herrscht, dafür verantwortlich, dass es immer wieder Lebensmittel-Skandale gibt. „Es muss Druck auf die Hersteller ausgeübt werden, um Standards zu schaffen, die sich natürlich auf den Preis auswirken. Wer nur die allerbilligsten Waren kauft, zwingt die Hersteller unausweichlich dazu, die Qualität zu senken und weniger zu kontrollieren.“

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