Wirtschaft : Barmer Ersatzkasse sucht Nähe zum Chefarzt

Die größte deutsche Krankenkasse bietet ab 2004 Zusatzpolicen und Bonusmodelle an – andere wollen nachziehen

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Berlin (brö). Die Barmer Ersatzkasse plant neue Tarife und Zusatzpolicen für ihre Versicherten ab dem 1. Januar 2004. Damit wolle Deutschlands größte Einzelkrankenkasse ihre acht Millionen Mitglieder zu einem gesundheitsbewussten Verhalten bewegen, sagte Eckart Fiedler, der Chef der Krankenkasse, am Mittwoch in Berlin. Außerdem sollen gut verdienende Versicherte von einem Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung abgehalten werden. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres seien bereits 117000 Menschen aus der gesetzlichen Krankenversicherung zur privaten Konkurrenz abgewandert, erklärte der Bundesverband der Betriebskrankenkassen unter Berufung auf Ergebnisse des Bundesversicherungsamtes.

Die bereits vom Bundestag und von der Länderkammer beschlossene Gesundheitsreform gibt den gesetzlichen Krankenkassen ab dem kommenden Jahr mehr Gestaltungsspielraum bei den Angeboten. Mehrere Kassen hatten in den vergangenen Wochen bereits neue Programme und Tarife angekündigt (siehe Kasten). Die Barmer will ihren Beitragssatz von derzeit 14,9 Prozent ab Januar 2004 senken – wie stark, sei allerdings noch nicht beschlossen, sagte Holger Langkutsch, Chef des BarmerVerwaltungsrates.

Sportler bekommen einen Bonus

Alle Barmer-Versicherten können die Leistungen der Kasse demnächst durch den Abschluss eines Zusatzpakets aufbessern. In Zusammenarbeit mit der privaten Huk Coburg bietet die Kasse fünf verschiedene Modelle an, etwa für eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus, Zahnersatz, Krankentagegeld oder Brillen. Die Zusatzsicherung muss der Versicherte aus eigener Tasche bezahlen. Das komplette Zusatzpaket kostet nach Angaben der Barmer je nach Geschlecht und Alter bis zu 200 Euro im Monat. Ein 35-jähriger Mann muss für eine Chefarztbehandlung 27,63 Euro monatlich bezahlen, eine gleichaltrige Frau 29,35 Euro. Dies sei günstiger als die Angebote der Konkurrenz, hieß es.

Neu ist zudem ein Bonusprogramm, das solche Versicherte belohnt, die sich gesundheitsbewusst verhalten. Die Idee: Wer aktives Mitglied im Sportverein ist, eine Rückenschule absolviert, sich in Ernährungsfragen beraten lässt oder zu einer Krebs-Früherkennung geht, bekommt Bonuspunkte gutgeschrieben. Ab einer gewissen Grenze kann sich der Versicherte dann eine Sachprämie aussuchen. Dies könnten ein Fitnessgerät, Rabatte beim Sportartikel-Kauf oder eine Gesundheitsreise sein, sagte Barmer-Chef Fiedler. Wer an diesem Programm teilnehmen will, muss sich dafür einschreiben.

Freiwillig Versicherten steht zudem ein Bonusprogramm offen. Wer mehr als 3825 Euro im Monat verdient, kann sich verpflichten, die ersten 320 Euro der Behandlungskosten innerhalb eines Jahres selbst zu zahlen. Dafür bekommt er im Gegenzug von der Kasse einen Bonusbetrag von 250 Euro. Dies entspricht etwa einem Monatsbeitrag. Wer diesen Tarif wählt, muss allerdings das Prinzip der Kostenerstattung wählen und die Arztrechnung aus eigener Tasche vorstrecken.

Auch chronisch Kranke wie Diabetiker können von einem neuen Angebot profitieren. Dazu müssen sie sich in spezielle Behandlungsprogramme einschreiben, die eine bessere Versorgung und niedrigere Kosten zum Ziel haben. Dann bekommen sie die Hälfte aller Zuzahlungen erlassen, maximal 150 Euro.

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