Wirtschaft : BASF: Aktie bricht trotz Rekordgewinns ein

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In der Chemieindustrie kündigt sich für die kommenden Monate ein schwächeres Wachstum und Druck auf die Margen an. So interpretierten Analysten und Börsianer am Dienstag die Zahlen und Erläuterungen der BASF AG zum zweiten Quartal. Der Chemiekonzern setzte in diesem Zeitraum sein starkes Wachstum mit einem Umsatzplus von 24 Prozent auf 8,97 Milliarden Euro fort und verbuchte mit 954 Millionen Euro ein neues Rekordergebnis vor Steuern. Der Betriebsgewinn verdoppelte sich gegenüber dem von Sonderbelastungen geprägten Vorjahreswert auf 891 Millionen Euro, legte auf vergleichbarer Basis jedoch nur noch um 18 Prozent zu. Und der Quartalsgewinn nach Steuern lag mit 448 (106) Millionen Euro leicht unter den Erwartungen der Analysten.

Die Börse reagierte mit Kursverlusten. Bis zum Handelsschluss gab die BASF-Aktie um gut sechs Prozent auf gut 42 Euro nach. Neben den Ertragszahlen schlug sich dabei auch die verhaltenere Prognose für das zweite Halbjahr nieder. Vorstandschef Jürgen Strube kündigte weiteres Wachstum sowie ein deutlich höheres Betriebsergebnis im Gesamtjahr an. Die Planungen basierten auf einer weiter starken Nachfrage in Asien und einer abgeschwächten, aber noch guten Nachfrage in Nordamerika und Europa. Man erwarte dabei einen Ölpreis von leicht über 20 Dollar im Jahresschnitt.

Für die folgenden Jahre stellte der BASF-Chef weitere Fortschritte in Aussicht: "Die BASF der Jahre 2001 und 2002 wird noch stärker sein." Dieser Ausblick hielt Analysten gestern nicht davon ab, die Chemiekonjunktur und die BASF-Perspektiven skeptisch zu betrachten - zumal am Tag zuvor bereits der Chemiekonzern Celanese die Stimmung mit einem schwachen Ausblick getrübt hatte. Commerzbank-Analyst Ronald Köhler interpretierte das schwächere Ertragswachstum im zweiten Quartal als Indiz dafür, dass die Gewinnmargen der BASF im Chemie- und Kunststoffgeschäft stärker unter Druck geraten seien. Und dieser Druck werde sich im zweiten Halbjahr noch verstärken, da im Bereich der Petrochemie neue Kapazitäten auf den Markt drängten. Andere Analysten werteten dagegen die Börsenreaktion als überzogen. "Nachdem einige Chemieunternehmen die Quartalsprognosen übertroffen hatten, erwartete man dies auch von der BASF", gab Peter Blair von Schroder Salomon Smith Barney zu bedenken. Die Chemiekonjunktur werde sich zwar verlangsamen, aber bereits ab Mitte 2001 erneut an Fahrt gewinnen.

Getragen wurde der starke Ertragszuwachs der BASF im ersten Halbjahr vor allem von den Öl- und Gasaktivitäten, deren Betriebsgewinn sich auf 487 Millionen Euro verdreifachte, sowie von der Kunststoffsparte, deren Gewinn sich auf 482 Millionen Euro verdoppelte. Der Bereich Gesundheit und Ernährung verbuchte in Halbjahr und Quartal einen Rückgang des Gewinns.

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