Wirtschaft : BASF-Aktie: Chemiekonzern geht in guter Form an die Wall Street - Heute Börsenstart in USA

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Rechtzeitig zum ersten Listing an der New Yorker Börse an diesem Mittwoch, präsentiert sich der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF in guter Verfassung: Er ist mit einem starken Quartals-Gewinnplus von knapp 70 Prozent ins neue Jahr gestartet, hat Rückenwind von einer global starken Chemiekonjunktur, einem hohen Ölpreis und wachsenden Erträgen aus dem Gasgeschäft. Zudem zeichnen sich im Gegensatz zum vorigen Jahr bei BASF keine größeren Sonderbelastungen ab - sieht man vom Aufwand für die Integration der Großakquisition Cyanamid ab, der Pflanzenschutz-Sparte des US-Pharmakonzerns AHP. Die Aussichten für einen Rekordgewinn 2000 sind besser denn je.

Doch ob das ausreicht, die BASF-Aktie US-Anlegern schmackhaft zu machen, bleibt offen. An diesem Mittwoch wird die BASF-Aktie erstmals an der Wall Street gehandelt. An der Frankfurter Börse fehlte zuletzt der große Applaus. Zwar zeigte sich der BASF-Kurs 1999 besser als der Dax. Über zwei bis drei Jahre hinweg hat der Konzern den Markt aber kaum überflügelt. Wenn BASF mit dem Listing in New York nun seine Aktie als Akquisitionswährung für Nordamerika positioniert, wird es vorerst eine Währung mit nur durchschnittlicher Kaufkraft sein.

Dabei findet die zielstrebige, wenn auch unspektakuläre Strategie des BASF-Vorstandschefs Jürgen Strube im Analystenlager viele Anhänger. Die Experten von WestLB Panmure etwa qualifizierten den Konzern wegen der "konsequenten Schwachstellenbereinigung" kürzlich als den Besten seiner Klasse. Die vielen kleinen Schritte haben die Gruppe stärker verändert, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Der seit 1990 laufende Umbau brachte 43 größere Verkäufe und Abspaltungen, mehr als 50 neue Gemeinschaftsunternehmen und 46 Zukäufe. Fast durchgängig orientierten sich diese Transaktionen am Ziel, Randaktivitäten abzustoßen und Kerngeschäftsfelder global auszubauen.

Das Muster eines breit aufgestellten, diversifizierten Chemiekonzerns hat BASF dabei nie aufgegeben. In der Diskussion mit Investoren wird die Frage nach der richtigen Struktur daher ein Thema bleiben. Ob berechtigt oder nicht: Der Kapitalmarkt scheint derzeit nicht bereit, bei BASF auf einem "Konglomerat-Discount", also auf einen Abschlag für die diversifizierte Struktur, zu verzichten.

Der BASF-Vorstand setzt der Vorliebe für reinrassige Unternehmen das Konzept des Verbunds entgegen und hat mit beharrlicher Argumentation diesen Begriff inzwischen auch im Wortschatz angelsächsischer Analysten verankert. Mit der Verbund-Strategie hebt BASF auf die Kostenvorteile einer eng vernetzten Chemieproduktion ab. Allerdings wird das Thema Verbund zunehmend pragmatisch gehandhabt. Nachdem das Öl und Gas-Geschäft längst unabhängig von der Chemie geführt wird, wurde jüngst auch die Pharmasparte aus dem Verbund der BASF gelöst. Mit dem Joint Venture mit Shell bei Standard-Kunststoffen bekommt bald ein weiterer wichtiger Geschäftsbereich größere Eigenständigkeit. Unabhängig vom Verbund-Konzept agiert der Konzern damit immer flexibler.

Strube kündigte zudem ein höheres Tempo "beim wertsteigernden Wachstum" an. Das Listing in New York gibt dieser Strategie ein zusätzliches Instrument. Aber solange der Markt die Summe der BASF-Sparten höher bewertet als den Konzern, bleibt das Kaufen und Verkaufen von Geschäftsbereichen wohl die attraktivere Lösung.

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