Wirtschaft : BASF: Der Chemiekonzern schließt weltweit zehn Standorte

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Wegen der lahmenden Weltkonjunktur hat der Chemiekonzern BASF seine Gewinnerwartungen für das zweite Quartal deutlich zurückgeschraubt. Außerdem kündigte der größte europäische Chemiekonzern in einer Pflichtmitteilung an, weltweit Standorte zu schließen und die Investitionen deutlich zurückzufahren. Konjunkturexperten schließen nicht aus, dass andere zyklische Branchen nachziehen könnten.

Im Rahmen des Sparprogramms wird der Ludwigshafener Konzern weltweit zehn Standorte und zusätzlich 14 Anlagen, also Teile von Standorten, schließen. Welche Standorte das sind und ob auch Arbeitsplätze abgebaut werden, teilte der Konzern nicht mit. Darüberhinaus soll das laufende Investitionsprogramm um ein Fünftel verringert werden. "Mit diesen Maßnahmen passen wir unser Geschäft dem deutlich langsameren weltweiten Wirtschaftswachstum an", erklärte der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Strube am Donnerstag in einer Mitteilung.

Nachdem der Konzern noch Ende April einen "deutlichen Anstieg" des operativen Ergebnisses für das zweite Quartal in Aussicht gestellt hatte, rechnet Strube nun nicht mehr mit einem Ergebnisanstieg. Strube begründete das mit weiterhin hohen Rohstoffkosten, schwächeren Wachstumssignalen in Europa und einer derzeit nicht erkennbaren Trendwende in den USA, die sich auch zunehmend auf das Wachstum in Asien auswirke. Dennoch will der Konzern an seinem mittelfristigen Ertragsziel festhalten und das Ergebnis in den Jahren 2000 bis 2002 um durchschnittlich zehn Prozent steigern. Dieses Ziel sei allerdings nur "mit größten Anstrengungen" zu erreichen", sagte Strube.

Die Börse zeigte sich wenig erfreut. Der Kurs der BASF-Aktie verlor bis zum Donnerstagabend 2,86 Prozent auf 43,45 Euro. Mit einem Umsatz von rund 36 Milliarden Euro (70 Milliarden Mark) und 103 000 Beschäftigen ist die BASF eines der weltweit größten Chemieunternehmen.

Die meisten Analysten zeigten sich angesichts der Gewinnwarnung nur wenig überascht. Die gesamte Chemiekonjunktur leide im zweiten Quartal unter der schlechten konjunkturellen Situation, die eine sinkende Nachfrage zur Folge habe, sagte Ludger Mues vom Bankhaus Oppenheim. Außerdem hätten viele Produzenten damit gerechnet, dass der Ölpreis im zweiten Quartal sinken werde und darum ihre Lager geräumt. Jetzt müssten sie diese - bei anhaltend hohem Ölpreis - teuer wieder auffüllen. Darüberhinaus teilten auch andere Chemiekonzerne das Problem der BASF, die in Erwartung einer Kapazitätsausweitung neue Anlagen in Betrieb genommen habe, die nun nicht ausgelastet seien. Mues rechnet aber damit, dass sich im vierten Quartal, spätestens Anfang nächsten Jahres, die Konjunktur wieder erholen wird - und damit auch die Chemiekonjunktur. "Wenn die Nacht am schwärzesten ist", sagt Mues, "ist die Zeit für die Chemiekonjunktur am besten." Denn wenn institutionelle Anleger absehen könnten, dass der Zyklus drehe, würden sie wieder in Chemiewerte investieren. Nach der BASF-Gewinnwarnung wird nun mit Spannung die aktuelle Gewinnprognose von Bayer erwartet, die für die nächsten Tage angekündigt ist. Bislang hatte der Leverkusener Konzern an seiner Prognose festgehalten, 2001 einen über dem Vorjahr liegenden operativen Gewinn zu erwirtschaften. Dass Bayer vor ähnlich drastischen Einschnitten steht wie der Konkurrent aus Ludwigshafen, bezweifeln Analysten.

Der Grund: Bayer hat eine andere Struktur als die BASF. Der Leverkusener Konzern hat eine Konzentration auf Kernkompetenzen stets abgelehnt, und setzt nach wie vor auf die vier Säulen Chemie, Pharma, Polymere und Landwirtschaft. Dafür wird Bayer an der Börse zwar regelmäßig mit einem Abschlag bestraft, weil Anleger sich schwer tun, das Unternehmen einer Branche zuzuordnen. Doch jetzt, da die Wirtschaft schwächelt, könnte sich die Strategie auszahlen: Bayer ist weniger abhängig von Wirtschaftszyklen als das Mono-Chemie-Unternehmen BASF.

Andere Branchen der "Old Ecomony" könnte dagegen weniger glimpflich davonkommen. "Überall, wo es zyklisch ist, regnet es rein", sagt Rolf Drees von der Union Investment. Wenn die Konjunkturschwäche länger anhalten sollte, könnte es neben der Auto- und Maschienenbauindustrie sogar Banken treffen. "Aber die Gefahr sehen wir jetzt noch nicht", sagte Drees.

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