Wirtschaft : BASF: Die Erwartungen übertroffen

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat dank gestiegener Öl- und Gaspreise im vergangenen Jahr bei Umsatz und Gewinn alle Rekorde gebrochen. Wie Vorstandschef Jürgen Strube am Mittwoch in Ludwigshafen erklärte, stieg der Umsatz gegenüber 1999 um 22 Prozent auf 35,95 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Sondereinflüssen habe um über 15 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zugelegt. Mit Blick auf die Jahre 2001 und 2002 zeigte sich Strube optimistisch, auch wenn die lahmende US-amerikanische Konjunktur in der BASF-Bilanz erste Spuren hinterließ. Strube sagte, der Konzern bleibe bei seinem Ziel, bis 2002 den Gewinn um durchschnittlich mindestens zehn Prozent pro Jahr zu steigern. Der BASF-Umsatz werde 2001 etwas langsamer wachsen. Der Vorstandschef verwies zur Erklärung auf den Verkauf der BASF-Pharmatochter Knoll an den US-Konzern Abbott für rund sieben Milliarden Mark. Bereinigt um diesen Faktor werde es faktisch ein starkes Umsatzwachstum geben, das vor allem von der stabilen Chemiekonjunktur in Europa sowie von den asiatischen Märkten getragen werde.

Wachstum noch immer stark

Der Konzernchef sagte, die Daten aus den USA zum ersten Quartal 2001 stimmten nachdenklich. So sei das Automobilgeschäft um 16 Prozent eingebrochen, eine Entwicklung, die auch beim Absatz von Kunststoffen nicht folgenlos bleiben werde. Die angekündigten Steuersenkungen der Regierung Bush sowie die Zinssenkungen durch die amerikanische Notenbank hätten aber das Potenzial, auch die US-Chemiekonjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder anzukurbeln.

Das Umsatzwachstum der BASF hatte sich im letzten Quartal 2000 verlangsamt, blieb mit plus 13,3 Prozent aber immer noch zweistellig. Strube machte für die Entwicklung die stark gestiegenen Energiepreise in den USA verantwortlich. Dies habe die Gewinnmargen gedrückt, da die steigenden Kosten nicht komplett über Produktpreise hätten weiter gegeben werden können. Die weltweit steigenden Energiekosten waren im vergangenen Jahr jedoch für BASF insgesamt der größte Gewinnfaktor. So verdoppelte sich der Gewinn aus dem Öl- und Gasgeschäft von 603 Millionen auf 1,266 Milliarden Euro.

"In allen Segmenten haben wir unseren Umsatz um zweistellige Prozentsätze gesteigert, bei Chemikalien sogar um über 30 Prozent", sagte Strube. Alle Regionen, in denen der Konzern weltweit tätig ist, trugen zu diesem zweistelligen Wachstum bei: "In Asien und Südamerika konnten wir um 28 beziehungsweise 36 Prozent zulegen und damit unsere Position besonders deutlich ausbauen." Als einzige Sparte machte der Unternehmensbereich Gesundheit und Ernährung 201 Millionen Euro Verlust. Der BASF-Chef machte dafür die noch laufende Integration des von American Home Products erworbenen Pflanzenschutzgeschäfts verantwortlich.

Das Unternehmen kündigte im Übrigen nan, sein im vergangenen Jahr begonnenes Aktienrückkaufprogramm fortzusetzen. So stünden für Rückkäufe in diesem Jahr insgesamt 1,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Im vergangenen Jahr seien für rund 700 Millionen Euro 15,9 Millionen Aktien vom Markt genommen worden. Bereits in der vergangenen Woche hatte die BASF-Führung eine Dividende von zwei Euro je Aktie vorgeschlagen. Neben einer Dividende von 1,30 (1,13) Euro können die Anteilseigner eines Sonderdividende von 0,70 Euro je Aktie einstreichen. Über die Ausschüttung entscheidet die Hauptversammlung am 26. April. Börsianer, die in stürmischen Zeiten Zuflucht bei defensiven Chemie- und Pharmatiteln gesucht haben, dürften dies kaum bereuen. Und dies nicht nur, weil BASF die Treue der Aktionäre mit einer Rekorddividende belohnen will. Die Aktie des Marktführers im internationalen Chemiegeschäft legte seit dem Herbst um rund 25 Prozent zu. Damit zählt sie zur Elite im Dax, der in den vergangenen Monaten stark unter Druck stand. Die BASF-Aktie haben Deutschlands prominentestes Börsenbarometer seither "outperformt", also überdtroffen.

Die Analysten, auf deren Kauflisten BASF schon seit Monaten weit oben rangiert, empfehlen das Papier weiterhin. Die BASF-Titel befänden sich in einem stabilen Aufwärtstrend, konstatieren die Experten der BfG Bank in ihrer jüngsten Analyse. Insbesondere die erwartete Fokussierung auf das Kerngeschäft Chemie solle in Zukunft für Kursphantasie sorgen. Zurückhaltender sind die Analysten von Independent Research, die die Aktie lediglich als "marktneutral" einstufen. Sie befürchten, dass sich das erste Halbjahr in der chemischen Industrie schwierig gestalten wird.

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