Wirtschaft : BASF investiert in China 2,9 Milliarden

Größtes Engagement in der Konzerngeschichte / Bald stammen zehn Prozent des Umsatzes aus Fernost

Maren Peters[Nanjing]

Der weltgrößte Chemiekonzerns BASF erwartet beim Ölpreis vorerst keine Entspannung. „Wir werden keine wesentlichen Veränderungen sehen“, sagte Vorstandschef Jürgen Hambrecht am Dienstag (Ortszeit) vor der Eröffnung eines riesigen neuen Chemiestandortes im chinesischen Nanjing. Verfügbarkeit und Nachfrage nach dem Rohstoff lägen zu nah beieinander. Daher würden sich unvorhergesehene Ereignisse wie Hurrikans oder Streiks in Ölförderländern schmerzhaft auf den Preis auswirken.

Trotzdem erwartet der BASF-Chef keine unmittelbaren Folgen für das weltweite Wirtschaftswachstum. „Die Auswirkungen des hohen Ölpreises auf das Wachstum werden sehr viel geringer sein, als viele erwarten“, sagte Hambrecht.

Einen großen Teil des eigenen Wachstums will der Chemiekonzern künftig in China erzielen. „Wir sind überzeugt, dass China weiterhin der Wachstumsmotor Asiens bleibt, vor allem für die Chemieindustrie“, sagte Andreas Kreimeyer, der im BASF-Vorstand für die Region Asien/Pazifik zuständig ist. Bis 2010 soll das wachstumsstarke Land zehn Prozent zum weltweiten BASF-Umsatz und Ergebnis mit Chemikalien beitragen. 70 Prozent wird aus der lokalen Produktion stammen.

Der neue Chemiestandort in Nanjing, rund 300 Kilometer westlich von Schanghai gelegen, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Seit Juni ist der neue „Steamcracker“ – das Herzstück der Anlage – bereits in Betrieb, an diesem Mittwoch wird er nach knapp vier Jahren Bauzeit offiziell eröffnet. Am neuen Standort, zu dem auch noch neun kleinere Einzelwerke gehören, arbeiten insgesamt 1560 Beschäftigte. Pro Jahr sollen hier einmal 1,7 Milliarden Tonnen Chemikalien und Kunststoffe produziert werden.

BASF und sein chinesischer Joint-Venture-Partner Sinopec haben sich die Anlage insgesamt 2,9 Milliarden Euro kosten lassen. Für den Ludwigshafener Chemiekonzern ist es das größte Einzelinvestment seiner Geschichte. Das zeigt, welche Bedeutung die Deutschen dem Wachstumsmarkt Asien zumessen. Seit dem Jahr 2000 hat BASF in der Region bereits 5,6 Milliarden Euro investiert. Bis 2009 ist eine weitere Milliarde Euro eingeplant, kündigte Hambrecht an.

Die hohen Erwartungen an China teilt auch die Deutsche Bank. Bis 2015, heißt es in einer Studie, werde der Chemieumsatz in China um jährlich zehn Prozent auf knapp 400 Milliarden Euro wachsen – deutlich stärker als in den USA (3,5 Prozent) und in Deutschland (drei Prozent). Die Experten erwarten, dass der Weltmarktanteil der chinesischen Chemie bis dahin von derzeit acht auf 13 Prozent ansteigen wird – das Land würde damit zum zweitgrößten Chemiehersteller nach den USA. Derzeit liegt China auf Platz vier – nach den USA, Japan und Deutschland.

Von dieser Entwicklung hoffen auch westliche Konzerne zu profitieren. BASF und Konkurrenten haben in China bereits große Werke errichtet oder sind gerade dabei. Sie produzieren vor allem Basischemikalien wie Ethylen, Propylen, Ammoniak oder Chlor. Das sind Stoffe, die zum Beispiel in der Automobilindustrie oder der Bauwirtschaft verwendet werden. Je stärker China wächst, je mehr Autos, Häuser, Kühlschränke, Matratzen und Spielwaren hier gebaut werden, desto größer ist auch der Bedarf nach den Grundstoffen.

Die produzierenden Konzerne suchen dabei die Nähe zu ihren Kunden. „Unsere Strategie ist, dort zu sein, wo der Kunde ist“, sagte Kreimeyer. Zu den Abnehmern zählen neben einer wachsenden Zahl chinesischer Produzenten auch immer mehr Industriekunden aus dem Westen, die ihre Standorte zunehmend nach China verlagern.

Von den Kostenvorteilen, die sie sich hier erhoffen, profitiert auch ihr Zulieferer BASF. Ein Beispiel: Während ein Chemiefacharbeiter in Deutschland im Jahr 2003 im Durchschnitt 47700 Euro brutto pro Jahr verdiente, bekamen die chinesischen Kollegen im Schnitt 6300 Euro. Zudem wird an 40 Stunden pro Woche gearbeitet, bei durchschnittlich zwölf Urlaubstagen.

Dennoch hat BASF-Chef Hambrecht in der Vergangenheit immer wieder betont, dass durch die neuen Werke in China keine deutschen Arbeitsplätze verloren gehen, sondern durch das Wachstum in China der Standort Deutschland gesichert wird.

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