Wirtschaft : BASF profitiert von Normalität in Libyen Schwächere Nachfrage aus China Überschuss sinkt

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BASF-Werk in Brandenburg Foto: dapd
BASF-Werk in Brandenburg Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Was Kurt Bock am Donnerstag bei der Halbjahresbilanz der BASF verkündete, klang wenig optimistisch. „Wir rechnen nicht mit einer Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr 2012 im Vergleich zu den ersten sechs Monaten dieses Jahres“, sagte der Chef des weltgrößten Chemiekonzerns in Ludwigshafen. Zu Beginn des Jahres habe man noch auf höheren Absatz gehofft, doch nun stottere „der chinesische Wachstumsmotor“, das „konjunkturelle Klima“ sei rauer geworden, erklärte Bock. Zudem spüre der Konzern die Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa „direkt und indirekt“. Dennoch hält BASF an seiner Prognose fest, 2012 mit Rekorden bei Umsatz und Betriebsgewinn (Ebit) abzuschließen.

Zwar konnte BASF im zweiten Quartal seinen Umsatz um knapp sechs Prozent auf 19,5 Milliarden Euro steigern, allerdings in erster Linie wegen positiver Währungseffekte durch den schwachen Euro und ein starkes Öl- und Gasgeschäft. Hier profitiert der Konzern vor allem davon, dass die Tochter Wintershall die Erdölproduktion in Libyen wieder aufnehmen konnte. Die dortigen Anlagen standen wegen der politischen Unruhen von Februar bis Oktober 2011 still.

Auch die Erlöse im Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln legten im zweiten Quartal kräftig zu. Im Chemiegeschäft – darunter die Bereiche Chemikalien, Plastik und Feinchemikalien – gingen die Mengen jedoch zurück, weil die Kunden sich zurückhielten, sagte Bock. „Sie reduzierten weiter ihre Lagerbestände, auch in Erwartung möglicherweise fallender Verkaufspreise infolge rückläufiger Rohstoffkosten“, erklärte der Konzernchef. Der Ölpreis war zum Quartalsende deutlich gefallen.

Das Öl- und Gasgeschäft war es dann auch, das den Umsatz in Europa von April bis Ende Juni um neun Prozent anziehen ließ. Rechnet man diesen Bereich heraus, sank der Umsatz um zwei Prozent, sagte Bock. „Direkt und unmittelbar“ sehe der Konzern die Auswirkungen der Euro-Krise bei Absatz und Umsatz in Europa. Aber auch in Asien hat BASF Schwierigkeiten. In den eigentlich viel versprechenden Wachstumsmärkten gingen die Erlöse leicht zurück. Die Schwächephase in China dauere schon seit drei Quartalen an, sagte Bock, ein Ende sei nicht absehbar.

BASF konnte den Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen im zweiten Quartal zwar steigern, der Überschuss aber sank um 15,5 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro. Den Rückgang führt der Konzern auch auf höhere Steuern wegen der wieder aufgenommenen Öl-Produktion in Libyen zurück.

Trotz größerer Vorsicht bei der Einschätzung der konjunkturellen Lage hält Bock an der Prognose fest, die Spitzenwerte aus dem Jahr 2011 zu übertreffen. „Wir streben unverändert an, Umsatz und Ergebnis gegenüber dem zweiten Halbjahr 2011 zu steigern“, sagte er. Das Ergebnis des Chemiegeschäft werde aber voraussichtlich unter dem Vorjahreswert liegen. Bock kündigte auch an, Sparmaßnahmen zu beschleunigen und Ausgaben zu überprüfen. So soll in den Schwellenländern weniger Personal eingestellt werden als geplant. Der Konzernchef appellierte zudem an die Politik, die Industrie im Zuge der Energiewende nicht mit zusätzlichen Kosten zu belasten. Jahel Mielke

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