Wirtschaft : Basisarbeit für den Kanzler

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Von Maurice Shahd

Die Fachbesucher auf der Technologiemesse Cebit sind alle Jahre wieder genervt: Junge Leute, Studenten und Schüler, die in ihren SchlabberSweatshirts jedes neue Handy befingern, tütenweise Infomaterial wegschleppen. Die Technikbegeisterung der jungen Generation scheint keine Grenzen zu kennen. Die Handybegeisterung vieler Jugendlicher treibt manche Eltern an den Rand des Ruins, stundenlang hängt der Nachwuchs vor Computerspielen oder lädt sich Lösungen für Hausaufgaben in Tauschbörsen aus dem Internet.

Ein guter Nährboden für die Nutzung neuer Technologien, für Erfindergeist und damit für wirtschaftliches Wachstum in Deutschland? Mitnichten. Es gibt in Deutschland an den Hochschulen zu wenig Studenten in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Und die Unternehmen klagen, dass ihre Azubis häufig mit miserablen Mathe-, Physik- oder Chemiekenntnissen von der Schule kommen. Offensichtlich gelingt es den Bildungseinrichtungen nicht, die Technikbegeisterung der jungen Menschen in nützliche Qualifikationen umzusetzen.

Die Initiative „Schulen ans Netz“ hat in den vergangenen Jahren Beachtliches geleistet. Immerhin kann die Bundesregierung jetzt stolz behaupten, dass alle Schulen in Deutschland einen Internetzugang haben. Aber das ist kein Grund zum Ausruhen. Die vorhandenen Computer und Programme veralten schnell. Zuständig für die Computerausstattung der Schulen sind die notorisch finanzschwachen Kommunen. Wenn sich im Schnitt 14 Schüler einen Computer teilen, ist sinnvolles Arbeiten nicht möglich.

Zum Jahresbeginn hat der Bundeskanzler eine Innovationsoffensive angekündigt, weil Deutschland in Gefahr ist, im internationalen Vergleich technologisch den Anschluss zu verlieren. Ganze Branchen wie Pharma oder Maschinenbau könnten ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Der Innovationsmüdigkeit will Gerhard Schröder mit Risikokapital, Elite-Universitäten und einem Innovationsbüro beikommen, das die Branchen der Zukunft identifiziert. Das alles ist zweifellos wichtig. Doch bei all den Großprojekten sollte der Kanzler nicht vergessen, die Grundlagen für mehr Innovation zu schaffen. Die richtigen Interessenten dafür kann er gleich auf der Cebit treffen.

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