Bau : Hochtief will Energiewende nutzen

Der neue Unternehmenschef Frank Stieler plant, Windparks und Netze zu errichten. Der spanische Konzern ACS erhöht seine Anteile.

Matthias Inverardi
Die Marke im Blick. Hochtief will auch unter dem spanischen Mehrheitseigner ACS eigenständig bleiben.
Die Marke im Blick. Hochtief will auch unter dem spanischen Mehrheitseigner ACS eigenständig bleiben.Foto: dpa

Düsseldorf - Der neue Hochtief-Chef Frank Stieler will den Konzern zu einem Profiteur der Energie-Wende machen. Der Essener Baukonzern stehe bereit, Windräder auf hoher See, Stromtrassen durch Deutschland und Energiespeicher in stillgelegten Bergwerken zu errichten, sagte Stieler am Mittwoch in Düsseldorf. Für die zweite Jahreshälfte zeigte er sich optimistisch, nachdem Probleme bei der australischen Tochter Leighton die Bilanz des größten deutschen Baukonzerns im zweiten Quartal erneut verhagelt hatten. Der Gewinnrückgang fiel aber weniger drastisch aus, als vom Markt erwartet. Bis zum Jahresende will Stieler die Flughafensparte des Konzerns veräußern – und damit den Gewinn steigern. Die Reaktion am Aktienmarkt fiel positiv aus: Hochtief-Aktien gehörten zu den wenigen Gewinnern im M-Dax.

Die Bundesregierung will den Anteil von Ökostrom in Deutschland bis zum Jahr 2020 auf rund 35 Prozent erhöhen. Für die Energiewende müssen in den kommenden Jahren auch neue Stromleitungen für Milliardensummen gebaut werden. Unter anderem muss der in Norddeutschland gewonnene Strom aus Windkraft in den Süden der Republik geleitet werden. Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, schätzt, dass der Netzausbau in den kommenden zehn Jahren mindestens 20 bis 30 Milliarden Euro kosten wird. Stieler erklärte die „Realisierung der Energiewende“ nun zu einem Wachstumsfeld für Hochtief. Der Konzern sei bereits am Aufbau fast aller deutschen Windparks auf See beteiligt.

ACS hält mehr als die Hälfte der Anteile

Ein weiteres Thema seien Energiespeicher in ehemaligen Bergwerken. Hochtief stehe dazu in Gesprächen mit dem Bergbaukonzern RAG. Bei Stromtrassen könne Hochtief auch Kompetenzen des Großaktionärs ACS nutzen – dieser habe über eine Tochtergesellschaft einen Großteil des spanischen Hochspannungsnetzes gebaut.

ACS werde seinen Anteil an Hochtief ausbauen, kündigte Stieler an. Der spanische Konzern hatte – entgegen dem massiven Widerstand des ehemaligen Managements – im vergangenen September die Übernahme von Hochtief angekündigt und kontrolliert nach eigenen Angaben inzwischen rund 50,16 Prozent der Anteile. Darin enthalten ist aber auch ein Paket von 4,46 Prozent, das Hochtief selbst hält. Stieler geht davon aus, dass der Konzern von Real-Madrid-Chef Florentino Perez nun weiter zukauft, bis er auch ohne das Hochtief-Paket die Mehrheit hält. Aber auch dann werde Hochtief ein eigenständiger Konzern bleiben, unterstrich Stieler, der im Mai die Führungsposition bei Hochtief übernommen hatte, nachdem der frühere Chef Herbert Lütkestratkötter nach einem langen Machtkampf mit Perez den Baukonzern verlassen hatte.

Auch unter Stieler muss Hochtief indes noch mit Problemen der einstigen Ertragsperle Leighton kämpfen. Die australische Tochter drückte im zweiten Quartal erneut den Konzerngewinn. Er sei mit diesen Ertragszahlen „nicht zufrieden“, sagte Stieler. Er erwarte aber, dass Leighton nun wieder in die Spur finde. Im zweiten Quartal brach der Gewinn vor Steuern von Hochtief von 181 Millionen Euro im Vorjahr auf jetzt 10,2 Millionen ein. Anders als im ersten Quartal rutschte Hochtief aber nicht mehr in die Verlustzone. Zudem fiel der Rückgang weniger dramatisch aus, als Analysten es prognostiziert hatten. Alle anderen Sparten konnten ihre Erträge steigern. Der Umsatz kletterte von 5,1 Milliarden auf 5,46 Milliarden Euro. Unter dem Strich erwirtschaftete der Konzern im zweiten Quartal 13,5 Millionen Euro, nach 54,1 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Auch die Sparte Concessions verdiente mehr. Das dort gebündelte Flughafen-Geschäft will Hochtief verkaufen. Es gebe mehrere Interessenten, sagte Stieler. Branchenkreisen zufolge sind das unter anderem der Hochtief-Wettbewerber Vinci und Konsortien um den Flughafen-Betreiber Fraport sowie die chinesische HNA. rtr

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