Wirtschaft : Bau- und Heimwerkermärkte agieren in dünner Luft

Götzen vor dem Konkurs, Praktiker legt im Gewinn kaum zu / Scharfer Wettbewerb und stagnierende Kundenzufriedenheit BERLIN (um/dpa).Die Duisburger Baumarktholding Götzen & Co.wird heute Konkurs anmelden.Das sagte die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrat Maria Berns dem Tagesspiegel.Betroffen von dem Konkurs sind rund 5000 Arbeitnehmer des Unternehmens im In- und Ausland, allerdings wird der Verlust an Arbeitsplätzen voraussichtlich deutlich unter dieser Zahl liegen.Unterdessen gab die zur Metro-Gruppe gehörende Baumarkt-Kette Praktiker bekannt, zwar sei der Umsatz im Geschäftsjahr 1996/97 (30.September) gestiegen, es sei aber nur geringer Gewinn erzielt worden. Der Götzen-Betriebsrat sei gestern vormittag davon informiert worden, daß am Freitag der Konkursantrag eingereicht werden solle, sagte Maria Berns.Am abend bestätigte Unternehmenssprecher Elmar Kochanneck in einer Pressemitteilung, der Gang zum Konkursrichter am Freitag sei unvermeidlich.Es sei nicht gelungen die Gläunbigerseite von den angestrebten Konzepten zu überzeugen.Ein Sprecher der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) machte die überstürzte Expansion des Unternehmens in den vergangenen Jahren für den anstehenden Konkurs verantwortlich.Es sei versäumt worden, größere Investoren ins Boot zu holen Die Arbeitnehmervertreter hätten spätestens seit Oktober vermutet, daß das Unternehmen "massiv in Schwierigkeiten" sei, berichtete Berns.Seitdem seien die Gehälter nicht mehr pünktlich bezahlt worden.Allerdings habe der Arbeitgeber bislang beständig abgewiegelt: "Sie haben uns hingehalten und nur gesagt, es wird schon wieder", kritisiert sie.Auch in der Öffentlichkeit hatte der Seniorchef des Familienunternehmens, Bernhard Kochanneck, noch im November jegliche Zahlungsschwierigkeiten dementiert und von einer "Rufmordkampagne" gesprochen. Die Götzen-Mitarbeiter fühlen sich nun "verdummdeubelt", sagt Berns.Die Mitarbeiter der Zentrale könnten kaum auf Erhalt ihrer Arbeitsplätze hoffen, in den Märkten sähe es anders aus.Hier sei eine Übernahme durch Konkurrenten durchaus möglich.Ein Teil der Filialen sind zudem Franchising-Betriebe und damit nicht unmittelbar von dem Konkurs betroffen. Götzen betreibt insgesamt 150 Baumärkte, sieben davon im Ausland.Besonders stark ist das Unternehmen in den neuen Bundesländern vertreten.In Berlin gibt es einen, in Brandenburg insgesamt 23 Märkte.Erst zu Beginn des vergangenen Jahres hatte Götzen eine umfassende Umstrukturierung abgeschlossen.Das Familienunternehmen stieß branchenfremde Teile wie etwa Parfümerien ab und bildete unter einem Holding-Dach drei GmbHs mit unterschiedlicher regionaler Zuständigkeit.Gleichzeitig expandierte das Unternehmen weiter: Durch den Aufkauf der Baumärkte der Spar-Handelsgruppe kamen fünf Standorte und rund 70 Mill.DM Umsatz hinzu.Der Jahresumsatz stieg um 12 Prozent auf annähernd 1,9 Mrd.DM. Zwischen den Baumärkten tobt derzeit ein erbitterter, agressiver Wettbewerb.Besonders im Verlauf des vergangenen Jahres beobachtet der Bundesverband der deutschen Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB) einen Trend zu vermehrten Marktschließungen und anschließenden Neueröffnungen."Für 1998 plant die Do-it-yourself Branche weiter mit angezogener Expansionshandbremse", so steht es im jüngsten BHB-Geschäftsbericht.Die erwarteten Umsatzzuwächse werden demnach mit fünf Prozent einen Prozentpunkt unter dem erwarteten Flächenwachstum bleiben.Dazu mag neben der gedämpften Konjunktur beitragen, daß die Kunden mit ihren Baumärkten nicht mehr recht zufrieden sind.Während laut Kundenbarometer in fast allen Branchen die Kundenzufriedenheit stieg, stagnierte sie bei den Heimwerkern - wie schon im Jahr zuvor. Die Praktiker-Baumärkte vermeldeten am Donnerstag allerdings einen realen Kundenzuwachs von einem Prozent.Dennoch ging der Umsatz flächenbereinigt um 4,8 Prozent zurück.Der verbesserte Konzernumsatz in Höhe von 4,4 Mrd.DM geht auch auf die Neueröffnung von 18 Märkten im In- und Ausland zurück.Das vorläufige Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit betrug 1996/97 rund 92,5 Mill.DM gegenüber 201,8 Mill.DM im Jahr zuvor.Für die Zeit vom 1.Oktober bis 31.Dezember 1997 wird bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden DM "ein leicht positives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erwartet".Der Vorstand hat dem Aufsichtsrat für 1996/97 eine Dividende in Höhe von einer DM je 5-DM-Aktie vorgeschlagen.

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