• Bau-Verbandschef Walter kritisiert die Bürgschaftszusage des Kanzlers als "Bruch mit der Marktwirtschaft"

Wirtschaft : Bau-Verbandschef Walter kritisiert die Bürgschaftszusage des Kanzlers als "Bruch mit der Marktwirtschaft"

Die mit Steuergeldern gestützte Sanierung des Philipp-Holzmann-Konzerns stößt nur wenige Tage nach der Bürgschaftszusage des Bundeskanzlers auf immer breitere Kritik. Nach Angaben der Wettbewerber würde die öffentliche Finanzspritze und die Lohnzurückhaltung der Holzmann-Belegschaft den Wettbewerb in der Branche massiv beeinflussen. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, der Branchenverband der großen Bau-Unternehmen, fürchtet, dass sie Kanzler-Intervention bei Konkurrenten von Holzmann den Verlust von bis zu 25 000 Arbeitsplätzen herbeiführt. Durch die so genannte Rettungsaktion und die Tarifmissachtung im Rahmen des Sanierungsprogramms kämen auf die Wettbewerber neue Kostenprobleme zu. Dadurch würden 20 000 bis 25 000 Arbeitsplätze bei anderen Unternehmen abgebaut, erklärte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Ignaz Walter, am Dienstag in Berlin.

"Es war alles nur eine große Show und insgesamt eine gigantische Geldvernichtung", sagte Walter mit Blick auf die Bundeshilfen. In Wirklichkeit sei kein Arbeitsplatz gerettet worden. Bei einer Pleite von Holzmann wären maximal 6000 und nicht 60 000 Stellen zerstört worden. Durch die jetzt geplanten Maßnahmen wie vier Stunden Mehrarbeit und der sechsprozentige Lohn- und Gehaltsverzicht bei Holzmann gerieten andere Baufirmen unter Druck und müssten Arbeitsplätze abbauen.

Nicht nur Holzmann verbucht nach Angaben der Bauindustrie Verluste. 1999 hätten etwa 8000 Baufirmen Konkurs angemeldet. Die Konkurrenten müssten ihre Verluste jedoch selbst bezahlen. Seit 1990 seien in der Bauwirtschaft nahezu 800 000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Hier habe sich die Politik nicht gemeldet. Mit der "Holzmann-Sanierung" seien die noch gesunden Firmen bestraft und die Spekulanten belohnt worden. Walter bezeichnete die Kanzler-Rettung als "Bruch der Marktwirtschaft" und Bruch des Tarifvertrages. Die Rettung des Konzerns mit Staatshilfen sei "gesellschaftspolitisch gefährlich, volkswirtschaftlich schädlich und betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbar".

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