Wirtschaft : Bau weiter in der Krise

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Für das Berliner und Brandenburger Bauhauptgewerbe ist auch 2002 keine Trendwende in Sicht. "Die Rezession in der regionalen Baubranche setzt sich mit unverminderter Schärfe fort", sagte der Präsident der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, Kaspar Dietrich Freymuth, am Mittwoch in Berlin. Er rechnet damit, dass in diesem Jahr nochmals rund 700 Betriebe in Konkurs gehen. Das hätte den Verlust von mindestens 6000 weiteren Arbeitsplätzen zur Folge.

Für das laufende Baujahr erwartet Freymuth in der Berliner Bauwirtschaft eine weitere Umsatzminderung von 14 Prozent. Im Jahr 2001 war der Umsatz der Berliner Baubetriebe bereits um ein Fünftel auf 2,96 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Zahl der gewerblich Beschäftigten nahm um 19,1 Prozent auf 18 300 ab. Angesichts der wirtschaftlich schlechten Lage bezeichnete Freymuth die Tarifforderungen der IG Bau von 4,5 Prozent mehr Lohn als "abwegig".

Mitverantwortlich für den Niedergang der Berliner Baubranche machte Freymuth die "unverantwortliche Rotstiftpolitik", die der Senat seit Jahren betreibe. Bei Bauinvestitionen werde überproportional gekürzt. So seien die Bauausgaben in Berlin seit 1995 von 800,52 Millionen Euro um über 60 Prozent auf 299,68 Millionen Euro zurückgegangen. "Die rot-rote Regierung hat kein klares Konzept, wie die Wirtschaft in Berlin stimuliert werden kann", kritisierte Freymuth.

Nach wie vor gehört die Schwarzarbeit zu den drängendsten Problemen der Bauwirtschaft. Nach Angaben der Fachgemeinschaft Bau hat die illegale Beschäftigung einen Anteil von etwa 30 Prozent erreicht. In Berlin und Brandenburg liege die Zahl der Schwarzarbeiter bei 72 000, die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter bei 43 000. "Rein rechnerisch besteht also eine Nachfrage nach Bauarbeitskräften", erklärte Freymuth.

Deshalb forderte er die Bundesregierung und die Tarfiparteien auf, die Anreize zur Schwarzarbeit zu vermindern. Dazu gehöre sowohl eine spürbare Senkung der Lohnzusatzkosten als auch eine Ausweitung des Bausteuerabzugsverfahrens. Nach den Vorstellungen der Fachgemeinschaft sollen Bauherren nicht nur für die Steuerzahlungen, sondern auch für die Sozialabgaben der Nachunternehmer haften.

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