• Bauarbeiter bekommen weniger Weihnachtsgeld 13. Gehalt sinkt von 55 Prozent auf 40 Prozent eines Monatslohns

Wirtschaft : Bauarbeiter bekommen weniger Weihnachtsgeld 13. Gehalt sinkt von 55 Prozent auf 40 Prozent eines Monatslohns

-

Berlin (msh). Die rund 600 000 Beschäftigten im westdeutschen Baugewerbe müssen wegen der Branchenkrise künftig auf Lohn verzichten. Die Tarifparteien einigten sich auf eine Kürzung des 13. Monatsgehalts, teilten der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und die IG Bau am Freitag mit. Danach wird das Weihnachtsgeld von 55 Prozent eines Monatseinkommens auf nur noch 40 Prozent gesenkt. Zusätzlich wird ein Teil dieser Summe in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge fließen. Die Gremien des Arbeitgeberverbandes und der Gewerkschaft müssen der Tarifeinigung noch zustimmen.

Die Neuregelung des Weihnachtsgeldes war notwendig geworden, weil der entsprechende Tarifvertrag zum 1. Juli ausgelaufen ist. Er war nicht Bestandteil der Gehaltstarifverträge und musste daher gesondert verhandelt werden. Vor einem Jahr hatte die Baugewerkschaft in einem wochenlangen Streik höhere Löhne durchgesetzt. Die nächste Lohnrunde findet im kommenden Jahr statt. Bei den Verhandlungen um das Weihnachtsgeld einigten sich die Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern schon nach sieben Stunden.

Ein Facharbeiter wird nach der Neuregelung etwa 480 Euro als 13. Monatsgehalt bekommen. Neu gestaltet wird auch der Zuschuss der Arbeitgeber zum Aufbau einer kapitalgedeckten Altersvorsorge. Bisher zahlten die Unternehmen den Bauleuten 368 Euro. Dieser Betrag wird um 532 Euro aufgestockt, so dass die Arbeitgeber jetzt 900 Euro für die Altersrente bezahlen. Die Zusatzrente habe „Priorität vor dem 13. Monatsgehalt“, sagte ZDBVizepräsident Werner Kahl am Freitag in Hamburg. Die „Versorgungslücke der Bauarbeiter in der gesetzlichen Rentenversicherung“ müsse geschlossen werden.

Wegen der schlechten Baukonjunktur einigten sich die Tarifparteien zudem darauf, dass die Firmen in den Jahren 2003 und 2004 nur die Hälfte des 13. Monatsgehalts auszahlen müssen. „Das ist ein akzeptabler Kompromiss in einer schwierigen Zeit“, sagte der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel. Schon seit Jahren steckt die Bauwirtschaft wegen der Wirtschaftsflaute und struktureller Probleme in der Krise. Er forderte aber, dass der Tarifvertrag von allen Mitgliedsverbänden des ZDB abgeschlossen wird. Aus Ärger über den ihrer Ansicht nach zu hohen Tarifabschluss im vergangenen Jahr hatten vier Landesverbände der Arbeitgeber ihrem Zentralverband ZDB das Verhandlungsmandat entzogen. Zwar gilt es als sicher, dass sie dem Kompromiss um das Weihnachtsgeld zustimmen. Fraglich ist aber, ob sie dem ZDB für die Lohnrunde im kommenden Jahr wieder das Mandat erteilen. Sei das nicht der Fall, fürchtet Wiesehügel eine „Zerfledderung der Tariflandschaft im deutschen Baugewerbe“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar