Baubranche : Hochtief wird teuer

Das Schicksalsjahr des größten deutschen Baukonzerns war zugleich das erfolgreichste der Unternehmensgeschichte: Hochtief verdiente 2010 mehr als je zuvor.

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Mit einem Lächeln. Finanzvorstand Burkhard Lohr (links) und Vorstandsvorsitzender Herbert Lütkestratkötter verkündeten am Mittwoch einen Rekordüberschuss.
Mit einem Lächeln. Finanzvorstand Burkhard Lohr (links) und Vorstandsvorsitzender Herbert Lütkestratkötter verkündeten am Mittwoch...Foto: dapd

Berlin - 2010 kämpften die Essener mit aller Macht gegen den Übernahmeversuch des spanischen Bauriesen ACS – bis heute erfolglos. Zugleich schloss Hochtief das Jahr mit einem Rekordergebnis ab; die Aufträge, der Umsatz und der Gewinn stiegen stärker als Analysten erwartet hatten. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 288 Millionen Euro, nach 192 Millionen Euro im Jahr zuvor, wie Hochtief am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 231 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz kletterte um elf Prozent auf 20,16 Milliarden Euro und der Auftragseingang lag mit 29,63 Milliarden Euro deutlich über dem Vorjahreswert von 22,47 Milliarden Euro.

Die Aktionäre profitieren von dem Rekordgewinn: Hochtief will seine Dividende um satte 30 Prozent auf zwei Euro anheben. Das spült auch Geld in die Kasse des spanischen Baukonzerns ACS, der seinen Anteil an dem Essener Unternehmen mittlerweile auf 39 Prozent aufgestockt haben soll, wie Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter mitteilte. Eine ACS- Sprecherin wollte dies nicht bestätigen. Die Spanier, die bis zum Sommer die Mehrheit an Hochtief übernehmen wollen, hatten zuletzt von 36 Prozent gesprochen. Für ACS verteuert die gute Bilanz von Hochtief allerdings auch die Übernahme. Beim jetzigen Kurs müssten die Spanier mehr als 600 Millionen Euro bezahlen, um auf 50 Prozent zu kommen.

Hochtief, das nach dem Überschreiten der 30-Prozent-Hürde durch ACS kaum noch Chancen hat,die Übernahme zu verhindern, verhandelt derzeit mit den Spaniern. Ziel sei es, die Spielregeln für das veränderte Miteinander festzulegen, sagte Lütkestratkötter. Abstimmungsbedarf gebe es bei einer Mehrheitsübernahme durch ACS etwa bei Projektausschreibungen. „Über konkrete Ergebnisse kann ich Ihnen derzeit noch keine weitere Auskunft geben“, sagte Lütkestratkötter. Auch die anderen Aktionäre sollen ihren Einfluss geltend machen, wenn auf der Hauptversammlung am 12. Mai über die Zusammensetzung des Aufsichtsrats abgestimmt wird. Lütkestratkötter hatte die Anteilseigner in einem Brief aufgefordert, zu erscheinen und dort aktiv ihre Meinung zu vertreten.

Ob Lütkestratkötter selbst weiter an der Konzernspitze bleiben will, machte er davon abhängig, dass er weiter die Strategie des Unternehmens entwickeln und umsetzen könne. Sein Vertrag endet am 31. März 2012.

Unterdessen hat auch der zweitgrößte Hochtief-Aktionär, die Katar-Holding, seine Anteile auf zehn Prozent aufgestockt. Erst im Dezember hatte Katar auf der Höhe der Übernehmeschlacht 9,1 Prozent an dem Konzern übernommen. Beobachter gehen davon aus, dass Katar einen Sitz im Aufsichtsrat beanspruchen wird.

2011 will Hochtief seinen Überschuss auf 600 Millionen Euro verdoppeln, machte dies aber abhängig von dem Verkauf der Flughafensparte Concessions. Die RBS und die Deutsche Bank führten erste Gespräche mit Investoren, teilte Hochtief mit. Der Baukonzern prüft sowohl einen Börsengang als auch einen direkten Verkauf. Gelingt das Geschäft, will Hochtief seine Aktionäre mit einer möglichen Sonderdividende beteiligen.

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