• Baubranche sieht noch kein Ende der Krise Ifo-Institut erwartet nur bei der Automobilindustrie Wachstum

Wirtschaft : Baubranche sieht noch kein Ende der Krise Ifo-Institut erwartet nur bei der Automobilindustrie Wachstum

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Berlin/München (hin/nad). In der Baubranche ist noch kein Ende der Krise in Sicht. Bis zum Jahresende erwartet die Branche einen Rückgang der Bauinvestitionen um vier Prozent. Das sagte Arndt Frauenrath, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), anlässlich des Deutschen Baugewerbetags 2002 am Donnerstag in Berlin. „Im achten Jahr in Folge geht es mit der Bauwirtschaft deutlich abwärts“, sagte er. „Unsere Erwartung für dieses Jahr, endlich in die Nähe der Talsohle zu kommen, wurde nicht erfüllt.“ Auch das Münchner IfoInstitut sagt der Baubranche für das laufende Jahr starke Einbußen voraus.

Die Baunachfrage schwächt sich nach Angaben von ZDB-Chef Frauenrath immer stärker ab. Bis August habe es im Westen einen Rückgang um sieben, im Osten um 6,6 Prozent gegeben. Auch für 2003 erwartet der Verband keine Besserung und rechnet mit einem Rückgang der Bauinvestitionen um etwa zwei Prozent. „Die Konjunktur lahmt“, sagte Frauenrath zur Begründung. Zudem bringe die rot-grüne Koalitionsvereinbarung eine Erhöhung der Steuerlast für Unternehmen. „Die erhofften Impulse im Wirtschaftsbau werden daher ausbleiben.“ Auch der Wohnungsbau werde weiter zurückgehen.

Die schlechte Auftragslage macht sich nach ZDB-Angaben auch bei den Arbeitsplätzen bemerkbar. Die Zahl der Beschäftigten werde voraussichtlich um zehn Prozent sinken, von 954 000 auf 855 000 Beschäftigte.

Scharfe Kritik übte Frauenrath an den Plänen der Bundesregierung, die Eigenheimzulage zu kürzen. „Das führt dazu, dass etwa 50 000 Eigenheime weniger gebaut würden.“ Dieser Plan werde zu einem Verlust von 50 000 Arbeitsplätzen im Baugewerbe führen, hinzu kämen noch einmal 150 000 Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Bereichen. Er rief die Bundesländer dazu auf, das Gesetz im Bundesrat abzulehnen.

Ifo-Institut bleibt pessimistisch

Auch das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung sagt für das laufende Jahr starke Einbußen in den Branchen Bau, Industrie und verarbeitendes Gewerbe voraus. Besonders düster sieht es demnach in der Bauwirtschaft aus. Die realen Bauinvestitionen würden in diesem Jahr um 3,4 Prozent schrumpfen, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Donnerstag in München.

Für den Handel rechnen die Wirtschaftsforscher mit einem Umsatzrückgang von 2,5 bis drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe werde ebenfalls deutlich sinken: voraussichtlich um 1,8 Prozent.

Auch für das kommende Jahr ist das Ifo-Institut kaum optimistischer: Im Bau und im Handel sei mit einer Stagnation des Umsatzes zu rechnen. Allenfalls im verarbeitenden Gewerbe wird für 2003 mit einem moderaten Wachstum von 1,5 Prozent gerechnet. „Wir gehen davon aus, dass sich im Verlauf des kommenden Jahres eine Aufwärtsbewegung durchsetzen wird“, sagte Sinn. Wachstumsimpulse seien vor allem in der Automobilindustrie zu erwarten.

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