Wirtschaft : Baubranche verliert den Boden unter den Füßen

Auftragseinbrüche kosten 90 000 Bauarbeitern den Job / Lage in Berlin und Brandenburg besonders dramatisch WIESBADEN/BERLIN (AFP/rtr/dpa).Im vergangenen Jahr ist die Zahl der in der Baubranche Beschäftigten bundesweit um 90 000 gesunken.Dabei hatten die Baufirmen bereits im Vorjahr 100 000 Arbeitsplätze gestrichen, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit.In Berlin verlor im vergangenen Jahr jeder zehnte Bauarbeiter, in Brandenburg jeder zwanzigste seinen Job.Bei den Arbeitsämtern in Berlin und Brandenburg waren Ende Januar fast 45 000 Arbeitslose mit Bauberufen registriert, berichte der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg. Der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg, Axel Wunschel, machte am Freitag vor allem die Auftragskrise für die Beschäftigungsprobleme am Bau verantwortlich.Die Auftragseingänge seien in Berlin im Verlauf des vergangenen Jahres um fast 27 Prozent und in Brandenburg um knapp acht Prozent gesunken.Der Verband forderte erneut, die Wettbewerbsbedingungen für in- und ausländische Betriebe anzugleichen und bei Unternehmen aus europäischen Nachbarländern ebenfalls Steuer- und Sozialabgaben zu erheben.Es könne nicht sein, daß heimische Betriebe Stundenlöhne von bis zu 60 DM kalkulieren müßten wegen Kosten für Arbeitssicherheit und gesetzlich vorgeschriebener Sozialleistungen.Wunschel warnte, daß sich die Beschäftigungssituation im laufenden Jahr weiter verschärfen werde.Im Berliner Bauhauptgewerbe waren Ende vergangenen Jahres noch 44 900 Mitarbeiter beschäftigt, in Brandenburg 67 000. Auch bundesweit befindet sich die Branche in der Krise.Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im vergangenen Jahr insgesamt 7,2 Prozent weniger Aufträge im Hoch- und Tiefbau als im Vorjahr.Damit war die Nachfrage im dritten Jahr in Folge rückläufig.Im früheren Bundesgebiet wurden 1997 vier Prozent weniger Aufträge als im Vorjahr registriert.Die Nachfrage im Hochbau erreichte insgesamt ein Minus von 6,9 Prozent.Besonders der Wohnungsbau erlitt mit 9,2 Prozent erhebliche Einbußen.Lediglich dem Tiefbau gelang eine leichte Verbesserung, nachdem die Nachfrage hier in den Vorjahren stetig nachgelassen hatte. In den neuen Ländern und Ost-Berlin erreichte der seit 1996 spürbare Abschwung im vergangenen Jahr dramatische Ausmaße.Die Auftragseingänge lagen um 14,1 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.1996 war es ein Minus von 4,6 Prozent gewesen.Betroffen war nicht nur der Wohnungsbau (-19,3 Prozent) sondern auch der übrige Hochbau (-18,4 Prozent).Besonders hart traf es den gewerblichen Hochbau mit minus 22,8 Prozent. Wegen der geringeren Nachfrage setzte sich auch der Stellenabbau in der Branche weiter fort.Die Beschäftigtenzahl in ganz Deutschland sank mit 1,22 Millionen unter den Stand von 1991, als es am Bau 1,28 Millionen Beschäftigte gab.In den alten Ländern ging der seit drei Jahren anhaltende Arbeitsplatzabbau auch 1997 weiter: Im Hoch- und Tiefbau gab es mit 834 000 Beschäftigten 59 500 weniger als im Vorjahr.In den neuen Ländern wurden im vergangenen Jahr 30 900 Arbeitsplätze abgebaut.Damit sank die Zahl der Beschäftigten auf 387 000.Während des Baubooms 1995 gab es in den neuen Ländern 443 000 Bauarbeitsplätze. Unterdessen wies der Ring Deutscher Makler (RDM) darauf hin, daß die Preise für Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr erneut nachgegeben haben.Im Durchschnitt seien Wohnimmobilien seit dem Frühjahr 1997 um über vier Prozent billiger geworden.Derzeit koste eine Eigentumswohnung von 70 Quadratmetern Größe in einer deutschen Großstadt durchschnittlich 2900 DM pro Quadratmeter.Am günstigsten seien die Wohnungen in Bremerhaven, wo nur 1800 DM bezahlt werden müßten.Spitzenreiter sei Düsseldorf mit 4400 DM.In Ostdeutschland seien die Preisnachlässe generell kräftiger als im Westen ausgefallen.Da dort vor allem Neubauten verkauft würden, liege der Durchschnittspreis mit 3120 DM pro Quadratmeter rund 200 DM über dem Niveau im Westen.

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