Wirtschaft : Baudienstleister drängt mit Macht ins Internet

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Der Baudienstleister Mühl AG, Kranichfeld/Thüringen, will ein reines Internet-, ein so genanntes Dot.com-Unternehmen werden. "Wir wollen als rein virtuelles Unternehmen die Nummer eins bei Bau-Internetfirmen werden, gab sich der Vorstandsvorsitzende, Thomas Wolf, am Mittwoch vor der Presse in Berlin optimistisch. Vorgesehen sind dafür zunächst Investitionen in Höhe von fünf bis zehn Millionen Mark in diesem Jahr, allein in den kommenden Monaten sollen fünf Millionen Mark in die Werbung fließen.

Im dritten Quartal des laufenden Jahres soll das Portal stehen. Zunächst werden dort rund 100 000 Artikel zu finden sein, "später" soll ihre Zahl auf rund eine Million steigen. Wolf plant schon im kommenden Jahr einen Umsatz von rund 500 Millionen Mark, der bis zum Jahr 2002 auf mehr als eine Milliarde Mark steigen soll. Der Mühl-Chef will mit seinem schnellen und großen Engagement auch der Konkurrenz zuvorkommen. "Die Amerikaner wollen in etwa zwölf Monaten auf den Markt kommen", ist er sich sicher. Das Portal wendet sich sowohl an Handwerksfirmen als auch an private Endverbraucher. Jeder Artikel wird auch mit einem Preis versehen sein. Zu den einzelnen Artikeln können, so Wolf, Verarbeitungshinweise, Bildmaterial, Ausschreibungstexte und Links zum Handwerk und der Industrie abgerufen werden. Als zusätzlichen Service will Mühl eine virtuelle Baufabrik an den jeweiligen Mühl-Standorten, eine Shopping Mall für Architekten, Investoren und private Kunden bieten. Handwerker können dort in einem so genannten Shop auch ihre eigenen Leistungen anbieten. Der Preis pro Jahr soll bei etwa 1000 Mark liegen. Umfangreiche Vernetzungen sind geplant. Es soll Zugriffsmöglichkeiten wie beispielsweise ein mühleigenes Leasingssystem für Handwerker und Bauherrn geben, Mühlstrom soll Strom für die Baustelle verkaufen. Die MühlBauFi soll in Zusammenarbeit mit Finanzinstituten Baukredite vermitteln, um nur einige Beispiele aus dem vielfältigen Angebot zu nennen.

Wolf ist sich sicher, das der Markt ausgesprochen groß ist. Er sieht allein im Privatkundengeschäft ein Potenzial von rund fünf Millionen Kunden, auch fast alle 40 000 derzeitigen Mühl-Kunden seien dazu bereit, laut Umfragen sogar 60 Prozent sofort. Interesse hätten auch große deutsche Baukonzerne sowie Wohnungsbaugenossenschaften signalisiert. Die Verbindung soll sich aber nicht nur auf das Internet beschränken. Etwa 700 mit Laptops ausgerüstete Online-Produktspezialisten betreuen online jeweils rund 1000 Kunden.

Mühl soll der Internethandel eine Margenverbesserung von fünf Prozent vom Umsatz ermöglichen. Auf der Kostenseite könnten ebenfalls Einsparungen von fünf Prozent erreicht werden.

Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern seinen Umsatz um 24 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Mark. Die Umsatzrendite konnte von 2,1 auf 2,4 Prozent verbessert werden. Das Ergebnis vor Steuern stieg um 44 Prozent auf 29,1 Millionen Mark. Das Ergebnis je Aktie kletterte auf 4,29 (Vorjahr 2,99) Mark. Der Hauptversammlung am 16. Juni soll eine Dividende von einer Mark vorgeschlagen werden. Im laufenden Jahr soll der Umsatz auf rund 1,5 Milliarden Mark steigen, die Umsatzrendite wieder über zwei Prozent liegen.

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