Wirtschaft : Baudienstleister MVS auf Sanierungskurs

Nach Millionenverlust 1997 werden Bereiche abgestoßen und Partner gesucht / Kleinaktionäre erhalten dennoch höhere Dividende BERLIN (chi).Den Berliner Baudienstleister MVS hat die Krise der Bauwirtschaft 1997 voll erwischt.Trotz eines - vor allem durch Zukäufe - um 55 Prozent ausgeweiteten Umsatzes von 514,9 Mill.DM rutschte der Konzern tief in die roten Zahlen.Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wies, bereinigt um Sondereinflüsse wie Wertberichtigungen und Rückstellungen, ein Minus von 33,6 Mill.DM aus, nach einem Plus von 28,3 Mill.DM noch im Vorjahr.Das Konzernergebnis konnte nur durch den Griff in die Gewinnrücklagen auf 2,6 Mill.DM gebracht werden.MVS-Vorstandschef Sigurd Schönherr räumte bei der Bilanzvorlage am Donnerstag ein, vom Ausmaß der Baukrise "überrascht worden" zu sein, "die gelben Ampeln nicht gesehen" zu haben.Doch wäre es nicht das erste Mal, daß das Unternehmen wieder aus der Krise herausfinde.Die Restrukturierungsmaßnahmen seien eingeleitet.Vor allem durch den Verkauf des Containergeschäfts an den US-Konzern GE Capital Modular Space für 177 Mill.DM Ende 1997 und die gleichzeitige Beteiligung der Amerikaner mit 19,5 Prozent am MVS-Kapital habe die Gruppe wieder die nötige Liquidität, um freier operieren zu können.Die Frage, ob MVS knapp am Konkurs vorbeigeschlittert wäre, wies er zurück: Auch ohne die Amerikaner wäre es nicht zu einem Liquiditätsengpaß gekommen, deren Engagement aber gebe dem Unternehmen nun größeren Freiraum.1998 werde es voraussichtlich ein weiteres operatives Minus von zehn bis 20 Mill.DM geben, für 1999 aber bestehe eine "gute Chance eine schwarze Null zu erreichen", sagte Finanzvorstand Eckhard Krone.Die Aktionäre sollen trotz des Ergebnisses nicht enttäuscht werden: Für 1997 erhalten sie - wie der Vorstand bei der Hauptversammlung im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt hatte - eine Dividende von 55 DM, nach 40 DM im Jahr zuvor.Die Großaktionäre - Vorstandschef Schönherr, seine Tochter sowie der US-Konzern GE Capital Modular Space halten 75 Prozent der Anteile - verzichten allerdings auf ihre Dividende.Die Devise lautet nun "Schwächen beseitigen und Stärken ausbauen".Nachdem das Engagement bei der Karrer Bau- und Industriemaschinen GmbH schon im vergangenen Jahr wieder rückgängig gemacht wurde, soll der Maschinenpark zügig geschrumpft, unrentable Bereiche verkauft und die Zahl der Niederlassungen von 121 auf 80 bis 90 verringert werden - verbunden mit einem entsprechenden Stellenabbau.Nach dem Verkauf der Containersparte sollen mindestens weitere 150 Stellen im Kernbereich wegfallen, im Konzern wird sich die Zahl der Mitarbeiter voraussichtlich von 1880 auf 1400 reduzieren.Auch in der Vermarktung schlägt MVS einen aggressiveren Kurs ein, bei Verkauf und Vermietung von Baumaschinen hätten die Mitarbeiter "völlige Preisfreiheit", sagte Schönherr.Mit einem Umsatz von 252 Mill.DM steuerte das Mietgeschäft 1997 immer noch knapp die Hälfte zum Konzernumsatz bei.Darüberhinaus will MVS aber neue Geschäftsfelder aufbauen, etwa die Vermietung von Tribünen für Konzertveranstaltungen und Messen sowie die Baulogistik.Neben dem Partner GE, mit dem die Zusammenarbeit ausgebaut werden soll, sucht MVS aber nach weiteren "kapitalstarken" Partnern für das europaweite Geschäft.Gespräche würden geführt, sagte Schönherr.Der Firmengründer selbst will Lösungen "nicht im Wege stehen": Wenn nötig, würden er und seine Tochter von der bisherigen Mehrheitsbeteiligung abrücken.

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