Wirtschaft : Bauer sucht Geld

Fonds helfen Landwirten bei der Finanzierung.

Anja Steinbuch *Name von der Redaktion geändert

Landwirt Gerit Kleber* wollte seinen Betrieb vergrößern. In einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt besitzt der 45-Jährige 400 Hektar Land. Darauf baut er seit rund 20 Jahren Weizen, Roggen und Gerste an. Doch Kleber wollte mehr.

Seinen Plan, auf einem Nachbargrundstück eine Biogasanlage zu errichten, musste er begraben, da die Baubehörde ihm die Genehmigung verweigerte. „Diese Diversifizierung seines Geschäfts wäre strategisch sinnvoll gewesen“, beklagt Victor von Podbielski. Er berät mittelständische Agrarbetriebe im Osten Deutschlands bei Nachfolgeregelungen, geplanten Verkäufen und Kooperationen. Kleber riet er als Alternative zur Biogasanlage zu einer Vergrößerung seiner Agrarfläche, um diese mit modernen Maschinen profitabler bewirtschaften zu können. Eine zusätzliche Fläche mit rund 100 Hektar hatte der Landwirt sofort im Auge. Das notwendige Kapital für den Kauf dieses Grundstücks sowie eines neuen Traktors und Mähdreschers aber hatte er nicht – kein Wunder, denn ein Hektar deutsches Ackerland kostet derzeit bis zu 35 000 Euro.

Was also tun? Berater Podbielski stellte einen Kontakt zum Agrarfonds Nature Capital her. Dieser finanzierte den Kauf. Kleber brachte seine Erfahrung als Landwirt und seine Arbeitskraft ein, eigenes Geld brauchte er nicht. „Eine feine Sache. Ich komme an zusätzliches Land, kann dadurch meine Erträge deutlich verbessern und schone meine Liquidität“, sagt er.

Vor der notariellen Beurkundung des Deals mussten einige Details geklärt werden: Wie lange verpachtet die Fondsgesellschaft Kleber das Land? Und was kostet ihn das? Schließlich einigte man sich auf zwölf Jahre Laufzeit mit einer Option für weitere sechs. Der jährliche Pachtzins sollte zunächst 3,2 Prozent des Kaufpreises ausmachen und auf 4,5 Prozent steigen. „Damit kann ich leben, weil ich langfristig planen und immer noch gute Gewinne machen kann“, sagt Kleber.

Nature Capital konnte das Ackerland indes nur erwerben, weil die Gesellschaft selbst Eigentümer eines Agrarbetriebes ist und Landwirtschaft betreibt. Denn laut Grundstücksverkehrsordnung darf deutsches Ackerland nur erwerben, wer selbst als „Vollerwerbslandwirt“ tätig ist. So will Vater Staat die Landwirtschaft vor dem Ausverkauf des Bodens schützen. Das soll Natur- und Umweltschutz gewährleisten und zur „Sicherung der Ernährungsvorsorge der Bevölkerung“ beitragen.

Wolfgang Wetzel, Geschäftsführer von Nature Capital, wirbt für Kooperationen wie die mit Landwirt Kleber: „Agrarland ist eine sichere Kapitalanlage, nicht spekulativ wie ein geschlossener Fonds für ein Schiff, das untergehen kann, oder für einen Film, der nie gedreht wird. Ackerland steht im Gegensatz zu Immobilien auch niemals leer!“ Privatanleger können sich ab 10 000 Euro an dem Fonds beteiligen. In Aussicht gestellt werden dafür laufende jährliche Auszahlungen zwischen 2,5 und vier Prozent. Steigen die Bodenpreise ähnlich wie in den vergangenen fünf Jahren um jährlich etwa zehn Prozent, kann der Anleger nach zwölf Jahren mit einem satten Plus von rund sieben Prozent pro Jahr rechnen. Wetzel und sein Team führen derzeit Gespräche auch mit anderen Bauern: „Vielen, vor allem jungen Landwirten, fehlt das Eigenkapital für den Erwerb von Flächen und Betrieben.“

Gerit Kleber ist froh über seinen neuen Finanzierungsweg: „Dass ich keinen großen finanziellen Druck mehr habe, gibt mir unternehmerische Sicherheit.“ Der Vater von zwei Kindern denkt dabei nicht nur zehn oder 15, sondern 30 bis 40 Jahre in die Zukunft. Das ist nach Erfahrung von Berater Podbielski typisch: „Für jeden Landwirt ist das Thema Generationswechsel enorm wichtig. Man möchte seinen Kindern und Enkelkindern ein gut bestelltes Haus hinterlassen.“ Dass Kleber sich auf die finanzielle Partnerschaft mit einer Fondsgesellschaft eingelassen habe, sei ein gutes Zeichen: „Langsam ziehen auch in diese sehr konservativ denkende Branche moderne Finanzierungsformen ein.“Anja Steinbuch



*Name von der Redaktion geändert

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