Wirtschaft : Bauern leiden unter niedrigen Getreidepreisen

BONN (AP).Die diesjährige Ernte ist für die deutschen Landwirte weitgehend zufriedenstellend ausgefallen.Bei Getreide sei (nach vorläufigen Angaben) mit knapp 44,1 Mill.Tonnen das Rekordergebnis des Vorjahres (45,5 Mill.Tonnen) nicht ganz erreicht worden, berichtete Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU) am Freitag in Bonn.Ein Teil der Bauern habe deutliche Ertragseinbußen hinnehmen müssen.Außerdem sei ein Rückgang der Getreide-Erzeugerpreise um etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau zu beklagen."Was den Bauern wirklich große Tränen verursacht, das sind die Erzeugerpreise", sagte Borchert.Er warf der EU-Kommission vor, sie hätte exportieren müssen, als der Weltgetreidemarkt noch günstig gewesen sei.Sie habe die Überschüsse und die Probleme der nicht geräumten Läger selbst produziert.Der agrarpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Horst Sielaff, warf seinerseits Borchert "Betriebsblindheit" vor.Er greife die EU-Kommission an, weil er ihre Reformpläne (Agenda 2000) ablehne.

Bei Obst, wo es im Vorjahr frostbedingte Einbrüche gab, sei eine deutlich höhere Ernte zu verzeichnen, sagte Borchert.Dies gelte vor allem für Kirschen, Äpfel und Birnen.Bei Gemüse lägen die Erträge überwiegend über Vorjahresniveau.Auch die Weinfreunde könnten einen qualitativ und - wenn in den nächsten Wochen noch genügend Niederschläge fallen - auch mengenmäßig guten Jahrgang 1998 erwarten.

Die Getreide-Ernte sei letztlich besser ausgefallen, als nach dem langen Regen im Frühsommer erwartet worden sei, erläuterte Borchert.Es gebe allerdings regional große Unterschiede.Einbußen bei den Hektar-Erträgen habe es vor allem in Nordrhein-Westfalen mit einem Minus von fast 14 Prozent und Niedersachsen (minus 8,4 Prozent) gegeben, ein deutliches Plus dagegen in Süddeutschland (Bayern plus fünf Prozent, Baden-Württemberg plus sechs Prozent).

Der leichte Rückgang der Getreide-Ernte um insgesamt etwa 3,1 Prozent sei bei nahezu unveränderter Anbaufläche auf leicht geringere Hektar-Erträge zurückzuführen, erläuterte Borchert.Die Qualität sei insgesamt zufriedenstellend.In der Europäischen Union sei mit einer leicht höheren Ernte von etwa 207 Mill.Tonnen (1997: 204) zu rechnen, sagte der Minister.Weltweit hingegen würden schätzungsweise 1,5 Mrd.Tonnen geerntet.Das sind 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auf dem Weltmarkt sei das Preisniveau nach der weltweiten Rekordernte im vorigen Jahr sehr niedrig und zur Zeit etwa 20 Prozent unter Vorjahresniveau.Dies dürfte auch in den nächsten Wochen so bleiben.Inwieweit Rußland wegen der dortigen Dürre und China aufgrund des Hochwassers auf den Weltmärkten als Getreide-Aufkäufer aufträten und damit zu einer Preisbelebung beitragen könnten, sei noch nicht absehbar.Die Raps-Ernte wird laut Borchert in der Bundesrepublik mit 3,2 Mill.Tonnen nochmals deutlich höher ausfallen als im Vorjahr.Die um zwölf Prozent größere Erntemenge sei vor allem auf die um 9,5 Prozent ausgeweitete Anbaufläche zurückzuführen.Etwas niedriger als 1997 werde dagegen die Ernte bei Kartoffeln ausfallen.

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