Wirtschaft : Bauern und Industrie fordern Ende des Preiskampfes Landwirte wollen keine Gensaaten

Kritik am neuen Gütesiegel

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Berlin (pet). Ernährungsindustrie und Bauern haben ein Ende des Preiskampfes im Handel gefordert. „Allen Branchen der Ernährungsindustrie macht der anhaltende Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel und der Trend zum Discount schwer zu schaffen“, sagte Peter Traumann, der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), zwei Tage vor Eröffnung der Grünen Woche am Mittwoch in Berlin. Die Ernährungsindustrie wachse daher vor allem im Ausland, während das Inlandsgeschäft weiter schleppend laufe. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner beklagte, dass Discounter in Deutschland „Lebensmittel fast nur noch über den Preis und nicht mehr über Qualität und Regionalität oder das Markenimage“ verkauften.

Die Grüne Woche, die am Freitag beginnt (bis zum 25.1.), ist die weltweit größte Leistungsschau der Land und Ernährungswirtschaft. In diesem Jahr stellen rund 1600 Aussteller aus 56 Ländern ihre Produkte vor. Begleitet wird die Messe von über 250 Fachkonferenzen. Nach Angaben der Messe Berlin werden bis zu 500 000 Besucher erwartet.

Bauernpräsident Sonnleitner kritisierte Verbraucherministerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) für den am Montag vorgelegten Entwurf des neuen Gentechnik-Gesetzes. „Es ist ein Gesetz, das mit der Praxis nicht abgestimmt worden ist“, sagte Sonnleitner. Er warf der Ministerin vor, mit der geplanten Haftungsregelung, die eine Gesamtschuld der Bauern vorsehe, einen „allerletzten Sperrvermerk“ gegen die Grüne Gentechnik in das Gesetz hineinzuschreiben. „Ich habe den Eindruck, dass man Grüne Gentechnik in Deutschland verhindern will.“ Mit der gesamtschuldnerischen Haftung laufe jeder Landwirt Gefahr, für Vermarktungsprobleme seines Nachbarn geradestehen zu müssen, sagte Sonnleitner. „Dieses ist für uns schlicht und einfach nicht akzeptabel.“

Sonnleitner beklagte den zunehmenden Preis- und Einkommensverfall in der Landwirtschaft. Während die Verbraucher Ende der 70er Jahre noch knapp 20 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben hätten, seien es derzeit nur noch 12,1 Prozent. Diese Entwicklung gehe an die Substanz der Bauern, klagte er. Nach Angaben des Bauernpräsidenten liegt das Unternehmensergebnis je Arbeitskraft in der Landwirtschaft mit rund 23 000 Euro je Jahr um 6000 Euro niedriger als Mitte der 90er Jahre.

Nach Angaben von BVE-Präsident Traumann ist die Ernährungsindustrie im vergangenen Jahr insgesamt um 2,3 Prozent auf rund 128 Milliarden Euro gewachsen – und damit deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft. Grund sei vor allem das starke Auslandswachstum. Jeder fünfte Umsatz-Euro werde inzwischen im Ausland verdient. Aber auch im Inland sieht Traumann „Anzeichen, dass wir 2004 mit einer Belebung des Konsums rechnen können“.

„Essen ohne Gentechnik“

Während Bauernpräsident Sonnleitner das nach der BSE-Krise eingeführte „Qualitäts- und Sicherheits“-(QS-) Siegel verteidigte, wurde es von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch als lückenhaft kritisiert. „Das QS-Siegel suggeriert, dass die damit ausgezeichneten Produkte besonders sicher sind“, sagte Foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt. Dabei gebe es nirgendwo konkrete Definitionen, was Qualität sei. Außerdem sei das Siegel erst im Aufbau.

Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben wenig Monate vor der Zulassung von Genfood in Deutschland alle großen Handelsunternehmen und die meisten Lebensmittelhersteller erklärt, ihre Produkte ohne Zutaten aus gentechnisch veränderten Organismen (GVO) herzustellen. Das habe eine Umfrage unter 400 Firmen in Deutschland ergeben. Greenpeace stellte am Mittwoch einen Einkaufsratgeber vor, der Verbrauchern das „Essen ohne Gentechnik“ erleichtern soll. Er bietet eine Übersicht, welche Hersteller künftig auf GVO verzichten. (www.greenpeace.de/einkaufsnetz)

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