Baufinanzierung : "Bieten Sie auch den Wulff-Kredit an?"

27.01.2012 11:50 UhrVon Miriam Schröder, Christoph Schlautmann, Laura de la Motte, Christian Schnell

Finanzieren wie ein Promi: Handelsblatt-Redakteure haben versucht, bei Banken die günstigen Hauskreditkonditionen der Eheleute Wulff zu beantragen. Dabei haben sie manche Überraschung erlebt.

Besuch bei der BW-Bank

Der Berater von der Volksbank erklärt, er würde den Schäfers ohnehin davon abraten, die ganze Summe mit solch einem Kredit zu finanzieren. Der Markt schwanke stark. Wenn man Pech habe, steige der Euribor bald wieder. Und dann sei das Risiko groß, dass man keine günstige Anschlussfinanzierung bekäme.

Dasselbe hören die Schäfers bei der Deutschen Bank. Auch hier spricht die Beraterin das Geldmarktdarlehen nur auf Nachfrage an. Kurzfristige Kredite seien immer hochriskant. Denn auch einen solchen Kredit könne man nicht von heute auf morgen kündigen. Wenn die Zinsen plötzlich sehr schnell stiegen, hätte der Kunde das Nachsehen. Darum seien die Schäfers besser beraten, wenn sie ein langfristiges Darlehen mit einem für zehn Jahre festgeschriebenen Zinssatz von 3,58 Prozent wählten.

Bundespräsident Christian Wulff: mit der Kreditaffäre begann eine ganze Welle an Enthüllungen. Foto: dpa
Bundespräsident Christian Wulff: mit der Kreditaffäre begann eine ganze Welle an Enthüllungen. - Foto: dpa

Das leuchtet ein. Ein paar Fragen aber bleiben offen: Wieso haben die Wulffs ein Geldmarktdarlehen aufgenommen? Und wieso haben sie es so günstig bekommen? Und wieso haben sie es plötzlich in eine langfristig gesicherte Finanzierung umgewandelt? Haben sie das gemacht, weil sie Angst vor dem Zinsrisiko hatten, wie der Bundespräsident behauptet, oder weil kurz vorher ein Journalist nach den Konditionen bei der BW-Bank gefragt hatte?

Die Antwort hoffen die Schäfers in Stuttgart zu finden. Das Private Banking Center der BW-Bank liegt auf der Königstraße, einer Einkaufsmeile. "Wir bauen um. Unser Erlebniskonto BW Extend braucht einfach mehr Platz", steht blau-weiß am Bauzaun. Innen ist alles im Umbau und wenig präsidiabel. Die Schäfers nehmen in einem Wartezimmer Platz. Es hat keine Fenster, aber dafür Bilder mit den Farben des Regenbogens. Vier orangefarbene Sessel sind um einen Tisch platziert. Auf ihm steht ein Plastikfarn. Ob die Wulffs hier auch gesessen haben? Dann werden die Schäfers hereingebeten. Vom Büro des Beraters aus blicken sie auf eine weiße Betonwand und die Feuertreppe der nebenan liegenden "Jeanshalle". Der Berater schenkt Sprudelwasser ein.

Die BW-Bank bietet ihnen einen Zinssatz von 3,68 Prozent an für eine Laufzeit von zehn Jahren. Effektiv, also mit allen Gebühren, wären es 3,74 Prozent. Wollte man sich für 15 Jahre binden, kämen wohl noch einmal 0,4 bis 0,5 Prozent obendrauf. Der Bundespräsident zahlt für sein Darlehen, das inzwischen eine Laufzeit von 15 Jahren hat, nur 3,62 Prozent. Trotzdem: Wenn man die Angebote aller getesteten Banken miteinander vergleicht, kann die Bonität der Schäfers gar nicht so viel schlechter sein als die der Wulffs.

Ob es nicht noch günstiger ginge, fragen die Schäfers. Ob man nicht auch so ein variables Darlehen bekommen könne. Ja, das ginge, sagt der Berater zögerlich. Jetzt sind die Schäfers gespannt. Kommen jetzt endlich die Superzinsen? Nein. 2,8 bis 2,9 Prozent würde ein variabel verzinstes Darlehen wohl kosten, rechnet der Berater aus und rät ab. Die Leitzinsen seien gerade extrem niedrig und könnten bald wieder steigen. Da die Schäfers bei einem variablen Darlehen eine Kündigungsfrist von drei Monaten beachten müssten, könnte das sehr teuer werden. "Dieses Risiko würde ich nicht eingehen."

So sah es auch der Bundespräsident und wandelte sein günstiges Geldmarktdarlehen in ein günstiges Festdarlehen. Ob er denselben Berater hatte wie die Schäfers?

Zuerst erschienen auf Handelsblatt Online.

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