Wirtschaft : Baugeld und Mieten werden teurer

HAMBURG/BONN (AP/AFP).Baugeld wird nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Dresdner Bank, Klaus Friedrich, zum Jahresende wieder etwas teurer.Friedrich sagte der "Bild am Sonntag", die Zinsen für Baudarlehen mit zehnjähriger Laufzeit würden Ende 1999 voraussichtlich bei 5,5 Prozent pro Jahr liegen.Er empfahl den Bauwilligen, jetzt schnell zu handeln: "Daß Baugeld in Kürze wieder billiger wird, ist unwahrscheinlich." Derzeit liegen die Zinsen mit zehnjähriger Bindung bei etwa fünf Prozent.

Friedrich sagte, die Konditionen orientierten sich am Kapitalmarkt.Die Renditen bei den zehnjährigen deutschen Staatsanleihen seien in den vergangenen Wochen gestiegen und hätten die Zinsen für Baugeld mit nach oben gezogen.Ausgelöst worden sei diese Entwicklung von der weiterhin robusten US-Konjunktur und dem deutlichen Renditeanstieg am amerikanischen Rentenmarkt.

Friedrich versicherte zugleich, seiner Ansicht nach werde der Zinsanstieg auch künftig nicht dramatisch sein.Diese Einschätzung gründe sich auf der Konjunkturdelle in den Euro-Ländern und der niedrigen Inflationsrate.Es gebe allerdings auch Risiken, warnte der Volkswirt."Wenn die US-Konjunktur sich weiterhin sehr kräftig entwickelt, könnte dies die amerikanische Notenbank zu einer Leitzinserhöhung bewegen - mit klarer Signalwirkung für den deutschen Kapitalmarkt und die Bauzinsen."

Auch bei den Mieten wird offenbar ein Trend nach oben erwartet.Der Verband der Hauseigentümer rechnet als Folge der Steuerreform mit Mieterhöhungen von mehr als zehn Prozent in den nächsten Jahren.Der Kölner Wirtschaftswissenschaftler Johann Eekhoff begründet den Anstieg damit, daß Vermieter künftig Verluste nicht wie bisher bei der Steuer gegenrechnen könnten.Auch der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Franz-Georg Rips, befürchtet steigende Mieten in zwei bis drei Jahren, falls die Bonner Koalition ihre Wohnungspolitik nicht grundlegend ändert.Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Rips, die jetzt beschlossene Steuerreform verstärke die Verunsicherung der Investoren auf dem Wohnungsbaumarkt und mache die Ertragschancen schwer kalkulierbar.Dies werde mittelfristig zu einer Verknappung und damit Verteuerung des Wohnungsangebots führen.

Mehrbelastungen von 200 bis 300 DM für die Haushalte wird laut Rips zudem die neue Ökosteuer nach sich ziehen.Dies treffe vor allem diejenigen hart, die von der gleichzeitig vorgesehenen Senkung der Lohnnebenkosten nicht profitierten.

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