Wirtschaft : Bauindustrie kommt in Schwung

Erstmals seit sieben Jahren steigen die Investitionen wieder – das könnte auch mehr Jobs schaffen

Maren Peters

Berlin - Es sieht ganz so aus, als hätte die Baubranche die langersehnte Trendwende endlich geschafft: Nach siebenjähriger Talfahrt sind die Bauinvestitionen im vergangenen Jahr erstmals wieder deutlich gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Das könnte erstmals seit elf Jahren auch wieder zu mehr Beschäftigung führen. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erwartet, dass die Zahl der Jobs in diesem Jahr um 5000 steigen könnte (siehe Kasten), in Berlin wird zumindest eine Stabilisierung erwartet. „Die Bauwirtschaft trägt zum Aufschwung bei“, lobte Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee. Er ermahnte die Industrie aber gleichzeitig, die guten konjunkturellen Rahmenbedingungen zu nutzen und den notwendigen Strukturwandel einzuleiten. „Wir stehen in einem intensiven globalen Wettbewerb um Investitionen.“

Nach dem Wiedervereinigungsboom war die Branche in eine schwere Strukturkrise gerutscht. Während der Umsatz am Bau seit Mitte der 90er Jahre um rund ein Drittel auf zuletzt 72,5 Milliarden Euro zurückging, sank die Zahl der Beschäftigten sogar um die Hälfte auf rund 710 000.

Als Grund für die Wende nennt das Statistische Bundesamt vor allem die schwungvolle Entwicklung im gewerblichen Bau (plus 4,7 Prozent). Deutlich weniger stark ausgeprägt war der Zuwachs im öffentlichen Bau. Aber auch in den Wohnungsbau wurde im vergangenen Jahr mehr investiert (plus 3,6 Prozent plus). Dazu beigetragen hat nach Angaben der Statistiker nicht nur die gute Konjunktur, sondern auch die Streichung der Eigenheimzulage sowie die neugeschaffene Möglichkeit, Handwerkerleistungen für die selbstgenutzte Wohnung von der Steuer abzusetzen.

Die rege Nachfrage nach Bauleistungen hat bereits zu deutlichen Preiserhöhungen geführt. 2006 mussten Auftraggeber 2,4 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr. Das war der stärkste Zuwachs seit 13 Jahren.

Die Branche sieht das nicht nur positiv. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes berichtet von Kommunen, die wegen der gestiegenen Preise derzeit keine Bauaufträge vergeben. „Es kann nicht sein, dass die öffentliche Hand mit ihrer Vergabepraxis dazu beiträgt, die Entwicklung am Bau zu verlangsamen“, sagte dessen Präsident Hans-Hartwig Loewenstein. Er forderte die Städte und Gemeinden auf, mit der Vergabe von Bauaufträgen nicht, wie in den Vorjahren, bis Mitte des Jahres zu warten, um eine bessere Planung zu ermöglichen. Norbert Portz vom Städte- und Gemeindebund wies den Vorwurf zurück. „Das ist mir neu.“

Auch die Berliner Bauindustrie sieht wieder zuversichtlicher in die Zukunft. „Wir sind seit Jahren erstmals vorsichtig optimistisch“, sagte Verbandssprecher Hans Erdmann dieser Zeitung. Noch im vergangenen Jahr war die Zahl der inhabergeführten Betriebe in Berlin im Vergleich zum Vorjahr um knapp elf Prozent auf rund 2800 zurückgegangen.

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