Wirtschaft : Baumärkte verdrängen Facheinzelhandel

BERLIN (olm).Der sogenannte Hartwarenhandel in Deutschland - dazu gehören unter anderem der Eisenwaren- und Hausrathandel, das Geschäft mit Glas und Porzellan, aber auch der Handel mit Baubeschlägen, Werkzeugen sowie Garten- und Forstmaschinen - erwartet nach stagnierenden Umsätzen 1997 im laufenden Jahr insgesamt eine leichte Verbesserung der Situation.Dabei verläuft die Entwicklung der Einzelbranchen allerdings sehr unterschiedlich.Wie der Präsident des Zentralverbandes ZHH, Paul Kellerwessel, am Mittwoch in Berlin sagte, verliere insbesondere der klassische Eisenwaren- und Hausrathandel immer mehr an Marktbedeutung.Weit über die Hälfte der Umsätze werden inzwischen von den mehr als 4000 Baumärkten in Deutschland erwirtschaftet.Die Folge ist ein anhaltend starker Rückgang im Einzelhandel.

Am Rande des 45.Kongresses der internationalen Vereinigung der Eisenwarenhändler (IVE) rechnete Kellerwessel vor, daß nach einer Halbierung der Firmenzahl in den letzten 25 Jahren heute nur noch rund 5800 Facheinzelhändler der Branche existierten.Bei rückläufiger Tendenz repräsentieren einen Marktanteil von nur noch 37 Prozent.Das Umsatzvolumen wird mit 8,2 Mrd.DM angegeben.IVE-Präsident Georg Hungerkamp, der sein Amt am Mittwoch dem Spanier Antonio Trullas übergab, zitierte einige der 17 Mitgliedsländer, in denen im Gegensatz zu Deutschland die politischen Rahmenbedingungen für reduzierte Arbeitskosten und damit für eine Stabilisierung der Branche gesorgt hätten.Das Beispiel umfangreicher Steuerreformen der Briten und der Amerikaner zeige, wie man mit politischen Vorgaben auch im nationalen Hartwarengeschäft steigende Umsätze bewirken könne.Gegen die großen Baumärkte werde der Fach-Einzelhandel aber auf Dauer nur eine Chance haben, wenn er sich zu mehr Spezialisierung bewegen lasse.Unternehmen, die diesem Rat folgten, seien ihren Mitbewerbern einen Schritt voraus, sagte Hungerkamp.

Als besondere Bedrohung für den Einzelhandel gelten in der Branche die rund 40 beantragten Fabrikladenzentren (Factory-Outlet-Centers).Würden diesen Zentren gebaut, so ZHH-Präsident Kellerwessel, werde es eine weitere Umdrehung in der Konzentrationsspirale und eine zunehmende Verödung unserer Innenstädte geben.Fabrikverkäufe der Firmen Boss in Metzingen oder WMF in Geislingen hätten gezeigt, welche gewaltigen Umsatzpotentiale dabei an einem Platz zusammenkommen.

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