Wirtschaft : Bauprojekt Frankfurter Messestadt übertrifft den Potsdamer Platz

FRANKFURT (MAIN) (ro). Frankfurt ist zwar Sitz der Europäischen Zentralbank, deutsches Finanzzentrum und die Stadt auf dem Kontinent mit den meisten und modernsten Hochhäusern. Aber im Vergleich zu internationalen Metropolen fehlt es der Stadt nach Ansicht von Rolf Breuer immer noch an Attraktivität. Dies will der Vorstandssprecher der Deutschen Bank ändern. Das Geldhaus plant deshalb das größte Städtebauprojekt in Europa. "Mit der Messestadt kann sich Frankfurt auch weltweit in die bedeutenden Metropolen einreihen", meinte Breuer am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth stehe voll hinter dem 6,5 Mrd. DM teuren Vorhaben, bei dem die Deutsche Bank die Finanzierung übernehmen und als Vermittlerin auftreten will.Der Andrang bei der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz mit Breuer und Star-Architekt Helmut Jahn war größer als bei den Veranstaltungen, bei denen die weltgrößte Bank ihre Bilanz vorlegt. Mit zahlreichen Fotos und Plänen, einer Broschüre und einem großen Modell informierte der Architekt über das Mammut-Vorhaben. Breuer bedauerte noch einmal, daß die Pläne vorzeitig publik geworden sind. Erste Gedanken über die Messestadt habe man sich in der Bank schon 1997 gemacht. Mit dem Projekt soll eine Wohn-, Dienstleistungs- und Unterhaltungswelt entstehen, "die Frankfurt über seine heutige Stellung als Business-Zentrum deutlich hinaushebt".Von den 6,5 Mrd. DM sind rund eine Mrd. DM für Kultur-, Unterhaltungs- und Sporteinrichtungen vorgesehen, 2,7 Mrd. DM für "Dienstleistung und Erlebnis", für Wohnhäuser rund 1,5 Mrd. DM, für die Erweiterung der Frankfurter Messe 500 Mill. DM und für Straßen und eine neue U-Bahn-Linie rund 800 Mill. DM. Im Gesamtbetrag sind auch die Kosten für den Kauf des etwa 80 Hektar großen Grundstücks enthalten, das der Deutschen Bahn AG gehört.Nach Angaben von Breuer und Jahn wird die Messestadt, die größer wird als das Projekt am Potsdamer Platz in Berlin, von vier Komponenten geprägt: das Messeforum mit Einrichtungen für Kultur, mit einem Einkaufszentrum, Hochhäusern für Wohnen und Büros und einem Fünf-Sterne-Hotel. Dazu kommt eine große Mehrzweckhalle für 20 000 Zuschauer. Das Messetor dient der Erweiterung für die Messe. Sie sei, so Breuer, für Frankfurt unverzichtbar. "Es darf nicht sein, daß die Internationale Automobil-Ausstellung abwandert, weil es an Messehallen mangelt". Daran schließt sich das Messestadion mit 50 000 Sitzplätzen und ein 15 Hektar großer Messepark an, umgeben von mehreren Wohnhäusern.Für Investoren sei das Projekt sehr interessant, meinte Breuer. Konkrete Angaben über die mögliche Rendite machte der Banker allerdings nicht. Als Vermittlerin werde die Deutsche Bank auch an Provisionen verdienen. Das Geldhaus will die Messestadt aber auf keinen Fall behalten, stellte Breuer außerdem klar. Zusammen mit Experten der Stadt will die Deutsche Bank jetzt das Projekt Messestadt genau unter die Lupe nehmen. Obwohl sich der Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz am Vortag sehr kritisch geäußert hatte, ist sich Breuer der Unterstützung durch den Frankfurter Magistrat sicher. Oberbürgermeisterin Roth hält das Vorhaben für "mehr als prüfenswert". Breuer vermittelte denn auch gemeinsam mit Helmut Jahn am Mittwoch den Eindruck, daß das Vorhaben Messestadt schon bald endgültig festgezurrt wird. Das letzte Wort habe aber natürlich die Stadtverordnetenversammlung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar