Wirtschaft : Bausparen ist teuer geworden

Wer heute Verträge aus Hochzinszeiten einlöst, muss bis zu sechs Prozent für ein Darlehen zahlen

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Düsseldorf (chs/HB). Als Chef einer Bausparkasse bleibt einem vermutlich nichts anderes übrig, als einen Bausparvertrag zu haben. BHW-Chef Reinhard Wagner hat nach eigenen Angaben sogar zwei – „vorsorglich, falls ich für irgendeine Maßnahme mal ein zinsgünstiges Darlehen brauche".

Doch diese Spekulation geht nicht immer auf. Wer etwa vor sieben Jahren einen Bausparvertrag abgeschlossen hat, der jetzt zuteilungsreif ist, wird sich verwundert die Augen reiben. Das Bauspardarlehen dürfte effektiv über sechs Prozent kosten. Und das ist derzeit nicht billig, sondern teuer. Denn auf dem Markt für Hypothekendarlehen werden zehnjährige Zinsbindungen derzeit schon unter fünf Prozent angeboten; der Schnitt liegt bei 5,30 Prozent. Der Unterschied ist enorm. Ein Prozentpunkt Unterschied summiert sich in zehn Jahren leicht auf den Gegenwert eines neuen Kleinwagens. Der Bausparer muss sich also fragen: Lohnt sich das Bauspardarlehen überhaupt? Bei Zinssätzen über sechs Prozent seien Bauspardarlehen derzeit offenkundig unwirtschaftlich, meint Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen.

Komplizierter wird es bei Zinssätzen von nominal fünf oder 4,5 Prozent. Da muss genau gerechnet werden, auch wenn der Effektivzins genannt ist. Denn manchmal ist dieser niedriger als der tatsächliche Gesamtzins, weil etwa Nebenkosten wie die Kontoführungsgebühren nicht enthalten sind, wie Verbraucherschützer Gottschalk erläutert. Manchmal wird der Effektivzins aber auch etwas höher ausgewiesen, als er dann effektiv ist – da auch die Abschlussgebühren oder die Provision für den Verkäufer zum Teil einfließen. Die sind aber längst bezahlt, weil sie mit den ersten Prämien verrechnet werden.

In vielen Fällen erstatten die Anbieter die Abschlussgebühr in Höhe von einem bis 1,6 Prozent der Bausparsumme. Oder sie verzinsen das Guthaben nachträglich höher, wenn der Kunde auf das Bauspardarlehen verzichtet. Dann wird es noch komplizierter, und die Rechnung fällt oft zu Ungunsten des Bauspardarlehens aus. Verbraucherschützer Gottschalk liefert ein Exempel: Ein Bausparer hat einen Vertrag über 35000 Euro abgeschlossen und zehn Jahre lang monatlich 105 Euro überwiesen. Dann verzichtet er auf das Bauspardarlehen, wofür ihm die Kasse die Abschlussgebühr von 350 Euro erstattet und den Guthabenzins von 2,5 Prozent auf 4,5 Prozent erhöht. Das macht ein Plus von 1865 Euro. Oder andersherum gerechnet: Das Darlehen kostet ihn diese 1865 Euro zusätzlich. Bei einem Nominalzins von 4,5 Prozent, einer Darlehensgebühr von zwei Prozent und einer Kreditrate von 210 Euro im Monat – übliche Bedingungen – errechnet Gottschalk einen Effektivzins von über sieben Prozent. Ein schlechtes Geschäft.

Heinrich Bockholt, Professor an der FH Koblenz und Vorsitzender des Bundesverbands der Finanzplaner, springt dagegen für die Bausparkassen in die Bresche – zumindest für einige. Denn einerseits müsse man berücksichtigen, dass Schwäbisch Hall, Wüstenrot und Co. oft im zweiten Rang finanzieren, also bei einer möglichen Zwangsverwertung des Objekts anderen den Vortritt lassen müssen. Dies lassen sich die Banken wiederum mit einem Zinsaufschlag bezahlen. Gleiches gilt für kleinere Darlehenssummen, denn für Kredite unter 100000 Euro ziehen viele Institute die Zinsschraube an.

Tarifvergleich sinnvoll

Die Branche hat aber auch auf die niedrigen Zinsen reagiert und bietet zum Teil Bauspardarlehen mit Effektivzinsen von kaum über drei Prozent. Das tröstet zwar den Bausparer nur wenig, dessen Vertrag aus Hochzinszeiten jetzt zuteilungsreif wird. Aber, so der Ratschlag von Bockholt, künftige Kreditnehmer könnten versuchen, mit ihren Verträgen in solche Niedrigzinsangebote zu wechseln. Einige Anbieter seien dazu bereit.

Generell rät er, vor allem die Tarife der verschiedenen Bausparkassen zu vergleichen. „Da gibt es Riesenunterschiede", sagt Bockholt. So verlange beispielsweise die Bausparkasse Mainz deutlich höhere Zinsen als der Marktführer Schwäbisch Hall. Während die Spanne bei den Schwaben von 3,16 Prozent bis 5,59 Prozent reicht, kassieren die Mainzer 5,60 Prozent bis 7,60 Prozent. Das läppert sich. Überhaupt sei das Hauptproblem, dass sich die meisten Kunden die Angebote nicht durchrechnen ließen, findet Bockholt. „Die Bausparkassen können das mit ihrer Software mit links. Dass die Vertreter das nicht gerne von sich aus machen, ist doch logisch", sagt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Finanzplaner.

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