• Bauwirtschaft befürchtet Verlust von 40000 Jobs Branche fordert von der Regierung eine Infrastruktur-Offensive

Wirtschaft : Bauwirtschaft befürchtet Verlust von 40000 Jobs Branche fordert von der Regierung eine Infrastruktur-Offensive

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Berlin (msh). Die deutsche Bauindustrie kommt auch im laufenden Jahr nicht aus der Krise. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erwartet einen Umsatzrückgang von vier Prozent auf 83,2 Milliarden Euro. Damit wäre die Branche bereits das achte Jahr in Folge im Minus, sagte Verbandspräsident Ignaz Walter am Donnerstag in Berlin. Die Dauerkrise wird nach Schätzungen der Arbeitgeber nochmals 40 000 Arbeitsplätze kosten. Aus Protest wollen am Freitag in mehreren deutschen Städten Tausende Bauarbeiter auf die Straße gehen.

Nach einem durch die Wiedervereinigung bedingten Bauboom Anfang der 90er Jahre brach der Umsatz in der Bauindustrie seit 1995 regelrecht ein. Seitdem macht die Branche einen schmerzhaften Strukturwandel durch, der in den vergangenen acht Jahren rund 500 000 Arbeitsplätze gekostet hat. Wegen der leeren öffentlichen Kassen, eines Überangebots an Wohnungen in vielen Regionen und der lahmenden Konjunktur scheint auch keine Besserung in Sicht. „Alle Hoffnungen auf ein Ende der Baukrise haben sich zerschlagen“, sagte Verbandschef Walter. Für das „Katastrophenjahr“ 2002 geht der Verband auf Grundlage vorläufiger Zahlen von einem Umsatzminus von 5,3 Prozent auf insgesamt 86,5 Milliarden Euro aus.

Im laufenden Jahr bereitet der Wohnungsbau die größten Sorgen. Dort wird ein Umsatzminus von sechs Prozent befürchtet. „Der Wohnungsbau ist praktisch tot“, sagte Walter. Für die beiden anderen Sparten Wirtschaftsbau (minus drei Prozent) und Öffentlicher Bau (minus 2,5 Prozent) sehen die Vorhersagen kaum besser aus. Deshalb erwartet der Bauverband, dass im Jahresdurchschnitt nur noch 840 000 Menschen am Bau beschäftigt sein werden. Zugleich boomt vielerorts die Schwarzarbeit.

Angesichts der schlechten Zahlen forderte Walter die Bundesregierung auf, der Bauwirtschaft mit einer „Infrastrukturoffensive“ zur Hilfe zu kommen: „Ich setze auf den Kanzler. Ohne die Bauwirtschaft lässt sich die Konjunktur nicht ankurbeln.“ Zugleich warnte Walter die Koalition, ihre Pläne für eine Kürzung der Eigenheimzulage und die Mindestbesteuerung von Unternehmensgewinnen umzusetzen.

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