Wirtschaft : Bauwirtschaft erwartet weitere Arbeitsplatzverluste

BONN/POTSDAM (ADN).Die deutsche Bauwirtschaft erwartet für das kommende Jahr einen weiteren Arbeitsplatzabbau.Die wirtschaftliche Situation der Baufirmen sei "katastrophal", sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Ignaz Walter, am Mittwoch in Bonn.Der "mörderische Konkurrenzkampf im Binnenmarkt" verursache eine Preisverfall, der zu Verlusten und damit zu Pleiten und Entlassungen führe.

Für Ost- und Westdeutschland rechnet der Verband mit einem Abbau von je rund 25 000 Arbeitsplätzen.Im Osten zwinge der anhaltende Konkunkturabschwung zu weiteren Kapazitätsschnitten.Im Westen reichten die konjunkturellen Auftriebskräfte nicht aus, um den Arbeitsmarkt zu entlasten.Diese Beschäftigungsprognose könnte noch schlechter ausfallen, wenn Bundesregierung und Gewerkschaften an ihrer Politik des "sozial- und tarifpolitischen Rollback" festhalte, betonte Walter.So sei den Unternehmen mit der Wiedereinführung der vollen Lohnfortzahlung ein wichtiges Instrument zur Eindämmung hoher Krankheitsstände genommen worden.

Der Verbandspräsident wies darauf hin, daß die Bauwirtschaft ihre strukturellen und konjunkturellen Probleme noch nicht überwunden habe.Die Insolvenzgefahr war im Baugewerbe 1998 nach seinen Angaben etwa dreimal so hoch wie im Durchschnitt aller Branchen.Im Westen mußten im vorigen Jahr 4 300, im Osten 3 500 Bauunternehmen aufgeben.Die ostdeutsche Bauwirtschaft ist nach den Worten Walters von einer konjunkturellen Trendwende weit entfernt.In den ersten zehn Monaten im Jahr 1998 sank das Auftragsvolumen noch einmal um 2,5 Prozent, die Zahl der Hochbaugenehmigungen sogar um 18,4 Prozent.Im Osten könne man zur Zeit "allenfalls auf eine Verlangsamung des Tempos des Bauabschwungs hoffen".In Westdeutschland gebe es zum Jahreswechsel zumindest die Hoffnung auf eine allmähliche Stabilisierung.So sei hier die Baunachfrage in den Monaten Juli bis Oktober 1998 gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent gewachsen.Die Zahl der Genehmigungen im Hochbau stieg im Westen von Januar bis Oktober 1998 um 8,1 Prozent.

Scharfe Kritik übte Walter an den Plänen der Bundesregierung zur Neuregelung des Schlechtwettergeldes.Durch die bisherige Möglichkeit, während der Hauptbauzeit im Sommer vorzuarbeiten und die Überstunden auf Arbeitszeitkonten anzusammeln, hätten die Unternehmen Flexibilität im Produktionsprozeß gewonnen, betonte er.Diese Produktivitätsgewinne gingen verloren, da die Mitarbeiter künftig im Winter wochenlang Zusatzurlaub genössen und im Sommer keine Überstunden mehr leisten würden.Als Folge befürchtet Walter mehr Schwarzarbeit und beträchtliche Kostensteigerungen durch Überstundenzuschläge.Die von der Regierung angestrebte Zwangsumlage werde der Bauindustrie eine Lohnzusatzkostenschub von 6,4 Prozent bescheren.

Auch Brandenburgs Bauminister Hartmut Meyer (SPD) plädierte am Mittwoch in Potsdam dafür, vor Änderungen beim Schlechtwettergeld die Wirksamkeit der bestehenden Regelung in diesem Winter abzuwarten.Erst anhand dieser Erfahrungen solle über eine Änderung nachgedacht werden.Auch dürfe eine Neuregelung nicht zu Lasten der Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit der heimischen Bauwirtschaft gehen.

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