Wirtschaft : Bauwirtschaft und Rüstungsindustrie zahlen die höchsten Schmiergelder

Ulrike Fokken

Die Korruption hat viele Gesichter. Da ist der deutsche Manager im Büro eines afrikanischen Beamten des Baureferats, der nach der Kontonummer des Beamten fragt. Man werde sich mit zehn Millionen Dollar erkenntlich zeigen, wenn der Staudamm für 500 Millionen Dollar gebaut werde. Da gibt es den europäischen Geschäftsmann, der das humanitäre Lieblingsprojekt des Staatspräsidenten unterstützen möchte und sich nach dem Veteranenkrankenhaus erkundigt. Spätestens bei dem Stichwort muss, wer in Deutschland über Korruption redet, an Kohls Spendenmillionen und die CDU denken. "Die Parteienfinanzierung ist das Einfallstor der Korruption", hat Peter Eigen, Vorstand von Transparency International, festgestellt. Selbst wenn Partei-Veteranen unterstützt werden, dient die Bestechung doch immer dem Machterhalt der Machthabenden. Dabei sind deutsche Unternehmen nicht einmal die korruptesten, wie eine am Donnerstag von der Anti-Korruptionsorganisation vorgestellte Studie belegt.

Eigen hat über das Meinungsforschungsinstitut Gallup über 770 Manager, Geschäftsleute, Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Banker und Mitarbeiter von Handelskammern in 14 Schwellenländern zur Korruption in ihren Ländern befragen lassen. Schwedische Unternehmen sind unter den größten Exportnationen demnach am wenigsten korrupt, chinesische am korruptesten. Deutsche Konzerne, die sich in den befragten Ländern in Afrika, Osteuropa, Asien und Lateinamerika um Aufträge bemühen, belegen auf der Rangliste den mittleren Platz. Zwischen Schweden an der Spitze und Deutschland liegen Holland, Australien, Österreich und die Schweiz. Länder also mit einer ausgeprägten Zivilgesellschaft, die Firmen und deren Mitarbeiter bei einem Vergehen entsprechend unter Druck setzen.

Wenig verwunderlich ist, dass Unternehmen aus Frankreich, Malaysia, Japan oder Italien korrupter sind. Bestechung und Gefälligkeiten sind in diesen Ländern gesellschaftlich angesehener und dementsprechend sind die sozialen Sanktionen geringer. "Aber dieser Druck ist entscheidend", sagt Peter Eigen, der 25 Jahre für die Weltbank arbeitete bevor er 1993 Transparency International gründete. Nach seinen Erfahrungen hat die "großangelegte Korruption einen pervertierenden Einfluss auf Wirtschaftssysteme und führt zum Zerfall von Ländern".

Damit sind in erster Linie Staaten wie der ehemalige Kongo unter Diktator Mobutu oder das Indonesien eines Suharto gemeint. Denn bestechliche Beamte und Minister verhindern die vernünftigen Investitionen in Schulen und Krankenhäuser, dezentrale Energieversorgung und für die Bevölkerung und ihre Unternehmen sinnvolle Infrastruktur. Stattdessen verbauen sie das Geld in einem überdimensionierten Kraftwerk oder Staudamm, der eben nur ihnen und den westlichen Auftraggebern zu gute kommt. Aber Europäer und Amerikaner brauchen sich nicht selbstgefällig zurückzulehnen, wenn es um Korruption in Schwellenländern geht. "Die schwarzen Kassen fließen zurück", sagt Eigen. Wie ein Bumerang komme der Schaden durch die Bestechungsgelder zurück in die reichen westlichen Staaten. Das zeigen gerade die Schmiergelder aus dem Panzergeschäft mit Saudi-Arabien, die die CDU erschüttern.

Es müsse daher jetzt vereinbart werden, welche "Art der Beeinflussung noch legitim ist", sagte Eigen. Die Unternehmen dieser Staaten werden sich ebenfalls an den Bumerang gewöhnen. Denn die seit Februar 1999 gültige OECD-Konvention gegen Korruption wird bei den nächsten Fällen angewendet werden. Dann werden deutsche Manager, die im Ausland bestochen haben, nicht länger straffrei ausgehen, sondern nach ihrem Auslandseinsatz auch hier zu Lande juristisch belangt werden. Dabei wollen viele Geschäftsleute gar nicht bestechen, hat Eigen festgestellt. "Korruption füttert sich selbst", sagt er. Einer der Hauptgründe für die Bestechlichkeit ist die schlechte Bezahlung von Beamten in den Schwellenländern und die Geheimniskrämerei der Regierungen. Eigen fordert daher den "gläsernen Bürokraten" in allen Ländern: Behörden und Regierungen sollen gezwungen werden, Akten öffentlich zugänglich zu machen. Nur in berechtigten Ausnahmefällen sollen Regierungen die Einsicht verweigern dürfen. So wie bei Panzerkäufen oder Rüstungsgeschäften, bei denen fast am meisten bestochen wird. Aber die Hauptbestechungsbranche Bauindustrie hätte mit dem gläsernen Bürokraten keine Chance mehr.

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