Wirtschaft : Bavaria spielt auf vielen Kanälen

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In diesen Tagen macht Dieter Frank Fernsehen viel Spaß. Wenn der Geschäftsführer der Bavaria Film GmbH sein TV-Gerät einschaltet, dann ist die Chance groß, dass er auf einen Streifen aus seinem Unternehmen stößt. Mit Produktionen wie dem Dreiteiler "Die Manns" sind die Münchener derzeit prominent auf deutschen Mattscheiben vertreten.

Das gute Fernseh- und Kino-Geschäft beschert den nach eigenen Angaben führenden deutschen Filmstudios 2001 einen Umsatz, der über 500 Millionen Mark liegen wird. In den sieben Jahren seit dem Amtsantritt haben Frank und sein Mitgeschäftsführer Thilo Kleine damit die Einnahmen fast verdreifacht. Über den Gewinn schweigt Film-Manager Frank. Er spricht lediglich von einer Umsatzrendite von drei Prozent - bezogen auf das Vorsteuer-Ergebnis. Doch wie viel auch immer am Ende übrig bleibt: Bavaria Film sieht sich weit vor Wettbewerbern wie Studio Hamburg, der Kölner MMC oder Berlin-Babelsberg.

Mit Verlusten musste Frank nur ganz am Anfang seiner Tätigkeit kämpfen, als sich Bavaria mit einem Vergnügungspark verhoben hatte. Heute stehen die Weichen auf Wachstum. In den vergangenen Jahren haben die Münchener in vielen deutschen Städten Produktionsfirmen gegründet. Rund 20 Beteiligungen hat Frank inzwischen im Portfolio. Mit der Drefa, einem der größten Dienstleister für TV-Produktionen in Deutschland, ist er in Verhandlungen, um sich an mehreren Firmen zu beteiligen. "Das wäre eine weitere beträchtliche Umsatzsteigerung", sagt Frank. Einen Abschluss erwartet er für Mitte 2002. In Europa baut Franks Kollege kleine Kontaktbüros auf, um zusammen mit lokalen Produzenten Filme zu drehen und zu vertreiben. In Österreich gibt es bereits eine eigene Produktionsfirma und einen eigenen Dienstleister. Alles in allem soll sich der Umsatz so in den nächsten sieben Jahren auf eine Milliarde Mark verdoppeln.

Vom Wachstum profitieren auch die Sender SWR und WDR, zwei der größten Anteilseigner. Einen Heimvorteil bei der ARD hat Bavaria dennoch nicht, meint Frank. "Die haben kaum Konzerndenken", sagt er, "wir haben keine Auftragsgarantie der Öffentlich-Rechtlichen." Und so sind viele der Bavaria-Produktionen bei den Privaten zu sehen. Denn das meiste Geld verdient Bavaria mit Filmen und Serien. Zudem fließt auch Geld aus dem Servicegeschäft für andere Produzenten und dem Rechtehandel in die Kassen. Von der Werbeflaute, die vor allem die privaten TV-Sender getroffen hat, bleibt Bavaria nicht verschont. "Die halten nun viele Aufträge in der eigenen Gruppe", bedauert Frank. Für viele kleinere, finanzschwächere Produzenten sieht er deshalb "eine schwierige Zukunft". Bavaria selbst werde 2002 den Gewinn "nur leicht steigern".

Mit der Odeon Film AG gehört Bavaria Film die Mehrheit an einem börsennotierten Filmproduzenten und Filmverleiher. Ferner halten die Bayern rund 24 Prozent am Filmdienstleister Cinemedia AG, der ebenfalls am Neuen Markt notiert ist. Beide Unternehmen sind nach Franks Ansicht "für sich genommen zu klein". Er erwartet deshalb, dass sie "in einem größeren Schiff" mit weiteren Filmfirmen unterkommen.

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