Wirtschaft : Bayer: Ärzte tragen Verantwortung für Medikament

Der Rückruf des Cholesterin-Senkers Lipobay durch die Leverkusener Bayer AG beschäftigt auch das Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Der gesamte Vorgang wird nach Aussage einer Sprecherin "umfassend untersucht". Sollten sich Schwachstellen herausstellen - etwa bei der Genehmigung des Medikamentes, beim Patientenschutz oder der Information - werde sofort gehandelt und man werde national wie international auf entsprechende Änderungen drängen, erklärte die Sprecherin. Dazu sei gleich nach Bekanntwerden des Vorfalls beim Bundesinstitut für Arzneimittel in Bonn ein "umfassender Gesamtbericht" mit einer Schwachstellen-Analyse in Auftrag gegeben worden.

Bayer hatte das Medikament am vergangenen Mittwoch vom Markt genommen. Lipobay wird mit 31 Todesfällen in den USA in Verbindung gebracht. Im selben Zusammenhang werden auch sechs Todesfälle von Patienten in Deutschland untersucht.

Der Entwickler von Lipobay hält trotz der Todesfälle an dem umstrittenen Medikament fest. "Ich selbst nehme auch Lipobay und habe keine Bedenken", sagte Reiner Ziegler der "Welt am Sonntag". Auch in seiner Familie und von Freunden werde das Medikament eingenommen. "Ich vertraue ihm und hoffe, dass ich in Zukunft noch an Lipobay komme."

Nach Angaben Zieglers war schon lange bekannt, dass der Cholesterin-Senker Muskelschwäche hervorrufen kann. Ebenso sei bekannt gewesen, dass Lipobay nicht mit Gemfibrozil kombiniert werden durfte. "Auf die Nebenwirkungen haben wir bei den Anträgen auf Zulassung hingewiesen und auch im Beipackzettel war dies deutlich hervorgehoben."

In den USA sei als Startdosis teilweise die höchste Dosierung verordnet worden, was gegen die Empfehlung im Beipackzettel war. Ob Ärzte daher schlampig verordnet hätten, wollte Ziegler nicht sagen: "Dazu müssten erst die einzelnen Fälle genau analysiert werden." Ziegler leitete nach dem Bericht der Zeitung von 1989 bis 1998 im Auftrag des Pharmakonzerns Bayer ein Projektteam von 20 bis 100 Experten, die das Medikament entwickelten. Es sei an 2800 Patienten bis zur Erstzulassung getestet worden. Wie Ziegler weiter sagte, arbeitet Bayer derzeit an der Entwicklung neuer Cholesterin senkender Mittel: "Wir sind allerdings erst in der frühen Erprobungsphase."

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