Wirtschaft : Bayer AG: Staatsanwalt ermittelt gegen Pharmakonzern

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer AG eingeleitet. Grund sei der "Anfangsverdacht eines fahrlässigen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz unter anderem im Zusammenhang mit dem Medikament Lipobay", teilte die Behörde am Dienstag mit. An diesem Mittwoch sollen weitere Einzelheiten veröffentlicht werden.

Der Konzern hatte vor knapp vier Wochen den Cholesterin-Senker Lipobay, der auch unter dem Namen "Baycol" vertrieben worden war, vom Markt genommen. Auslöser waren Meldungen über Fälle von Muskelschwäche nach der Einnahme des Medikamentes. Die Muskelschwäche kann unter Umständen zu Organversagen und zum Tod führen. Bislang wurden offiziell 52 Todesfälle im Zusammenhang mit der Einnahme des Medikamentes genannt. Dem Konzern steht möglicherweise eine Welle von Schadenersatzklagen bevor. Anwälte hatten angekündigt, sie wollten Geschädigte weltweit in eine Sammelklage in den USA einbeziehen.

Mit dem Verfahren der Kölner Staatsanwälte laufen nach ersten Klagen in den USA und Ermittlungen in mehreren anderen Staaten nun auch in Deutschland Untersuchungen in Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Lipobay/Baycol an. Dies wird bei dem Dax-Konzern dieses Jahr zu einem Gewinneinbruch führen. Der Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Kapischke sagte, es gebe keinen konkreten Hinweis darauf, dass in Deutschland Menschen durch Lipobay zu Tode gekommen seien. Die Ermittlungen hätten aber wegen eines "leichten Anfangverdachts" eingeleitet werden müssen.

Geprüft werde zunächst, ob Bayer fahrlässig bedenkliche Arzneimittel auf den Markt gebracht und damit gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen habe. Auch geht die Staatsanwaltschaft der Frage nach, ob die Bayer AG rechtzeitig handelte, nachdem sie die Informationen über die tödlichen Fälle erhalten habe. Die Anzeigen hätten Personen gestellt, die bisher keine erkennbaren Schäden durch Lipobay erlitten hätten, sagte Kapischke. Zwei Anzeigen stammten von Patienten, die das Medikament selbst eingenommen hätten. Verantwortlichen des Konzerns drohten ein bis drei Jahre Haft.

Bayer bekräftigte, jederzeit verantwortungsvoll und im Interesse der Sicherheit und Gesundheit der Patienten gehandelt zu haben. Man sei überzeugt, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dies bestätigten.

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