Wirtschaft : Bayer bietet mehr

Offerte des Leverkusener Pharmakonzerns liegt deutlich über dem Merck-Angebot / Analysten sehen wenig Sinn in der Kombination

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Berlin - Der Finanzmarkt ist skeptisch, ob ein Zusammenschluss des Leverkusener Pharma-Konzerns Bayer mit dem Berliner Pharmakonzern Schering funktionieren kann. „Es ist zwar nicht auszuschließen, aber beide Unternehmen passen hinten und vorn nicht zusammen“, sagte Pharma-Analyst Carsten Kunold von der Privatbank Merck & Finck dem Tagesspiegel. Auch Marcus Konstanti von Sal. Oppenheim hält die Kombination für nicht sehr gelungen. „Das würde nicht zur Bayer-Strategie passen“, sagte der Analyst am Donnerstag.

Der Bayer-Konzern will nach Mitteilung vom späten Donnerstagabend eine Übernahmeofferte für den Berliner Pharmakonzern vorlegen – und damit in den Übernahmepoker einsteigen. Nach Angaben von Bayer liegt das Angebot um 39 Prozent über dem Kurs der Schering-Aktie vor Bekanntwerden des Übernahmeangebotes von Merck in der vergangenen Woche. Es liege zudem um zwölf Prozent über dem Konkurrenz-Angebot. Merck bietet 77 Euro je Schering-Aktie. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern will Schering-Aktionären 77 Euro pro Aktie zahlen. Das offizielle Angebot soll Anfang April vorgelegt werden. Vorstand und Aufsichtsrat von Schering lehnen das Angebot ab.

Gegen einen Einstieg von Bayer spricht nach Meinung des Marktes, dass sich der Konzern seit der Restrukturierung vor allem auf rezeptfreie Arzneimittel konzentriert, während Schering bei rezeptpflichtigen Spezialmedikamenten stark ist. Synergien gebe es nur im Vertrieb, hieß es.

Bayer erwartet von einem Zusammenschluss seines Pharmageschäftes mit Schering dagegen Synergieeffekte von etwa 700 Millionen Euro jährlich vom dritten Jahr nach Abschluss der Transaktion an. Demgegenüber stünden einmalige Restrukturierungskosten in Höhe von rund einer Milliarde Euro, teilte Bayer mit. Die Übernahme von Schering „passt ausgezeichnet in unsere strategische Zielrichtung, das Gesundheitsgeschäft vor allem im Bereich der Pharma-Spezialprodukte weiter zu stärken und damit unseren Teilkonzern Bayer Health-Care als Hauptwachstumsmotor des Konzerns substanziell auszubauen“, erklärte Bayer-Vorstandschef Werner Wenning. Das fusionierte Pharmageschäft, mit einem Gesamtumsatz von neun Milliarden Euro, soll seinen Sitz künftig in Berlin haben.

Von dem Zusammenschluss würden „unsere Aktionäre, Mitarbeiter, Kunden und Patienten profitieren“, schreibt Bayer-Chef Wenning. „Außerdem ist dieser Zusammenschluss die beste Lösung, um dem Pharma-Standort Deutschland wieder mehr Geltung zu verschaffen.“

Die Börse hatte bereits im Vorfeld einen deutlichen Kommentar abgegeben. Als am Nachmittag erste Gerüchte durchsickerten, wonach Bayer als „weißer Ritter“ auftauchen könnte, legte die Schering-Aktie deutlich zu, bis zum Börsenschluss um insgesamt 2,4 Prozent auf 85 Euro. Das war ein deutliches Signal, dass der Markt beim Kaufpreis noch mehr erwartete als die von Merck gebotenen 77 Euro pro Aktie. Auch Bayer-Aktien stiegen um knapp drei Prozent auf 34,8 Euro.

Die Mehrzahl der Analysten hatte daher darauf spekuliert, dass Merck beim Preis noch einmal nachlegt und sich am Ende durchsetzt. „Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass Merck Schering übernimmt“, sagte Analyst Konstanti im Vorfeld. Schering-Aufsichtsratschef Giuseppe Vita hatte in der vergangenen Woche einen Preis von bis zu 100 Euro als angemessen bezeichnet.

Bayer war bereits in der vergangenen Woche neben dem Schweizer Pharmakonzern Novartis und dem US-Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson als möglicher „weißer Ritter“ für Schering gehandelt worden. So nennt man ein Unternehmen, das bei einem feindlichen Übernahmeangebot dem Opfer mit einem eigenen Angebot „freundlich“ zur Seite steht.

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