Wirtschaft : Bayer: Der Chemieriese will ein Life-Science-Konzern werden

Der Leverkusener Chemieriese Bayer will seine Position in den lukrativen Geschäftsfeldern Gesundheit und Landwirtschaft durch Akquisitionen und eigene Forschungsaktivitäten konsequent ausbauen. "Wir bleiben unverändert offen für etwaige Kooperationsmöglichkeiten, aber wir konzentrieren uns darauf, unser hohes Potenzial aus eigener Kraft zu realisieren", sagte der Vorstandsvorsitzende Manfred Schneider am Donnerstag auf der Herbst-Pressekonferenz des Unternehmens. In drei bis fünf Jahren könne Bayer ein Life-Science-Konzern mit angehängter Chemie sein. Der Konzern wird auch für das Jahr 2000 eine Dividende von mindestens 1,30 Euro zahlen. Der Kurs der Bayer-Aktie rutschte am Donnerstag zur Kasse um 1,6 Punkte auf 49,65 Euro ab.

Dies erfordert allerdings Schneider zufolge weitere Zukäufe. So hoffe der Konzern, davon zu profitieren, dass sich der Straßburger Konkurrent Aventis von seinem Geschäft mit Pflanzenschutz und Saatgut trennen will. Wenn es für den gesamten Bereich einen Erwerber gebe und dieser Teilbereiche abgestoßen werden sollte, könnte Bayer den Finger heben, sagte Schneider. "Wenn wir die Chance haben, das eine oder andere zu vernünftigen Konditionen zu erwerben, sind wir die ersten, die an die Tür klopfen." Auch an einzelnen Aktivitäten der zum Verkauf stehenden Henkel-Chemietochter Cognis sei Bayer möglicherweise interessiert, jedoch nicht am gesamten Unternehmen. Das Düsseldorfer Unternehmen hatte unlängst angekündigt, sich von dem Chemiespezialisten zu trennen.

Allein in diesem Jahr stieg der Anteil der Gesundheitssparte am Konzernergebnis von 28 auf 37 Prozent. In den ersten neun Monaten erhöhte sich der Umsatz im Bereich Health-Care um 21 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro (14,23 Milliarden Mark). Das Ergebnis verbesserte sich um 40 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Dabei legte der Geschäftsbereich Pharma beim Umsatz sogar um 23 Prozent zu. "Dieses Wachstum liegt deutlich über dem des Pharma-Weltmarktes von neun bis zehn Prozent", sagte Schneider.

Auch die Zukunftsperspektiven der Pharma-Sparte beurteilte der Bayer-Chef sehr optimistisch. Mit Hilfe der in den vergangenen Jahren aufgebauten Forschungsplattform solle die Innovationskraft jährlich um 30 Prozent gesteigert werden. "Ab 2004 erwarten wir 20 neue Entwicklungskandidaten jährlich, aus denen wir pro Jahr zwei neue Arzneimittel auf den Markt bringen wollen", sagte Schneider. Mit den in der Forschungspipeline befindlichen Krebsmedikamenten etwa will Bayer in den nächsten vier bis fünf Jahren ein signifikanter Spieler im Bereich der Krebstherapie werden.

Auch im Landwirtschaftsbereich, vor allem im Pflanzenschutz, setzt der Konzern konsequent auf modernste Schlüsseltechnologien. Bis 2002 soll die Rendite im Gesundheitsbereich 20 Prozent erreichen. In der Sparte Landwirtschaft sei diese Marke trotz schwierigen Umfeldes in den ersten neun Monaten erneut erreicht worden.

Insgesamt blickt Bayer optimistisch in die Zukunft. In diesem und im kommenden Jahr soll das operative Ergebnis im fortzuführenden Geschäft - also unter Herausrechnung der 1999 an die Börse gebrachten Agfa sowie bereinigt um die Aktivitäten der DyStar-Gruppe und der EC Erdölchemie - zweistellig wachsen, in diesem Jahr "ein kräftiges Stück" mehr als zehn Prozent.

In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres erhöhte sich der Umsatz um 22 Prozent auf 22,2 Milliarden Euro und das operative Ergebnis sogar um 29 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn im fortzuführenden Geschäft erhöhte sich um 40 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Ab dem Ende des zweiten Quartals 2001 soll Bayer auch in den USA an der Börse notiert sein. Ziel sei es, eine Akquisitionswährung für die weitere Expansion in den USA zu schaffen.

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