Wirtschaft : Bayer einigt sich im Patentstreit mit Kanada

agr

Die Bayer AG, Leverkusen, und die kanadische Regierung haben sich über die Beschaffung des AntiMilzbrand-Medikaments Ciprobay geeinigt. Bayer und das kanadische Gesundheitsministerium werden die Versorgung mit dem Antibiotikum gemeinsam sicherstellen, teilte Bayer mit. Der Patentschutz für das Medikament sei von der kanadischen Regierung anerkannt worden. Die Gesundheitsbehörde habe sich verpflichtet, bis zum Ablauf des Patents das Antibiotikum Ciprofloxacin exklusiv von Bayer zu beziehen.

Ziel der am Montag getroffenen Vereinbarung sei es, die sofortige Versorgung der Bevölkerung im Falle von terroristischen Anschlägen mit bakteriologischen Waffen zu gewährleisten. Bayer werde auf Anforderung innerhalb von 48 Stunden eine Million Ciprobay-Tabletten an die Organisation zur Bevorratung von medizinischem Notfallbedarf NESS (National Emergency Stockpile System) liefern. Zusätzlich soll ein Expertenteam gebildet werden, das die zukünftige Versorgung für den Notfallbedarf schnell und effizient organisieren soll.

Um auch die USA von einer Unterhöhlung der Patentrechte abzubringen, wollte Bayer-Chef Manfred Schneider noch am Dienstag einen Brief an US-Präsident George W. Bush schreiben. In dem Brief will sich Schneider dafür verbürgen, dass sein Konzern im Notfall ausreichend Medikamente liefern kann. Bayer könne den von der kanadischen und von der US-Regierung geforderten Bedarf an Ciprobay-Tabletten vollständig decken, hatte der Bayer-Chef im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt. Bayer sieht sich in Nordamerika Bestrebungen ausgesetzt, angesichts der massiven Nachfrage die Patent- und Zulassungsrechte, die das Produkt in den USA bis 2003 vor billigeren Nachahmerpräparaten schützt, aufzuweichen. Der zusätzliche Absatz von Ciprobay kann nach den Worten Schneiders allerdings den Umsatz- und Ergebnisausfall, den Bayer durch die Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay erlitten hat, bei weitem nicht ausgleichen. Mit dem Antibiotikum machte Bayer 2000 einen Umsatz von knapp 1,8 Milliarden, mit Lipobay 640 Millionen Euro.

Unterdessen meldete der neue britisch-amerikanische Pharmagigant Glaxo-Smith-Kline am Dienstag, er habe im dritten Quartal dieses Jahres 17 Prozent mehr Gewinn vor Steuern gemacht als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Gewinn stieg auf 1,23 Milliarden Pfund (4,2 Milliarden Mark), teilte das Unternehmen in London mit. Der Umsatz nahm um 13 Prozent auf fünf Milliarden Pfund zu. "Glaxo-Smith-Kline hatte ein gutes drittes Quartal", sagte Unternehmenschef Jean-Pierre Garnier. Die Firma war im vergangenen Jahr durch den Zusammenschluss von Glaxo Wellcome und Smith Kline Beecham entstanden.

Auch in den ersten neun Monaten 2001 bewegt sich der Gewinn mit einem Zuwachs von 17 Prozent in einer Größenordnung von 4,4 Milliarden Pfund. Nach Angaben von Glaxo stieg der Umsatz in Europa um acht Prozent, in den USA um 14 Prozent und im Rest der Welt um 18 Prozent. Man befinde sich auf dem richtigen Kurs, um das versprochene Ergebnis einer Steigerung des Gewinns pro Aktie um 13 Prozent zu erreichen. Vor allem neue Produkte hätten sich mit einem Umsatzzuwachs von 59 Prozent ausgezeichnet am Markt bewährt.

Schering-Plough kämpft mit Problemen

Eine deutlich zurückhaltendere Zwischenbilanz zog am Dienstag der US-Pharmakonzern Schering-Plough, der im dritten Quartal 2001 nach eigenen Angaben in den USA unter Produktionsprobleme gelitten hat. Nur im Ausland sei ein starkes Wachstum verzeichnet worden. Der Quartalsumsatz der Gesellschaft stagnierte bei 2,4 Milliarden Dollar (5,2 Milliarden Mark). Der Gewinn stieg geringfügig auf 601 (Vorjahr: 591) Millionen Dollar, teilte Schering-Plough am Dienstag mit. Der Neunmonatsumsatz fiel um ein Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Die Gesellschaft verdiente von Januar bis September 2001 nur noch 1,8 (1,9) Milliarden Dollar. "Wir setzen unsere Bemühungen zur Lösung der Produktionsprobleme fort, die unsere US-Operationen und -Ergebnisse negativ beeinflussen", sagte Firmenchef Richard Jay Kogan.

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