Wirtschaft : Bayer: Ergebnisprognose erneut gesenkt

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Der Bayer-Konzern will jetzt auch in Japan sein umstrittenes Medikament Lipobay/Baycol vom Markt nehmen und hat die Gewinnziele für das laufende Jahr noch einmal nach unten korrigiert. Bayer begründete den Schritt mit der Patientensicherheit. "Das Unternehmen hat sich zu diesem Schritt entschlossen, nachdem die japanischen Gesundheitsbehörden mitgeteilt hatten, dass der Wirkstoff Gemfibrozil bald auch in Japan zugelassen wird", teilte Bayer am Donnerstag mit. In den übrigen Teilen der Welt war die Vermarktung des Cholesterinsenkers bereits am 8. August gestoppt worden. Das Medikament wird für den Tod von zahlreichen Patienten verantwortlich gemacht. Insbesondere die gemeinsame Einnahme von Lipobay/Baycol und Gemfibrozil führt nach bisherigen Erkenntnissen bei den Patienten zu Muskelschwäche und schlimmstenfalls zum Tod.

Japan sei bisher von dem weltweiten Rückzug des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol ausgenommen worden, weil Gemfibrozil dort bislang nicht im Handel gewesen sei, sagte Bayer-Sprecherin Christina Sehnert am Donnerstag. Bayer wisse schon "seit einiger Zeit", dass das Medikament dort demnächst auf den Markt komme. Es habe Gespräche mit japanischen Behörden gegeben, das Medikament gemeinsam mit Behörden aus dem Markt zu nehmen.

Der Rückzug aus Japan wird den Gewinn des Konzerns weiter schmälern. Bayer rechnet damit, dass das operative Ergebnis dieses Jahres noch einmal um bis zu 150 Millionen Euro (293 Millionen Mark) belastet wird. Nach dem Vermarktungsstopp von Lipobay/Baycol im Rest der Welt in der vergangenen Woche war Bayer noch von einem Ergebniseinbruch von 650 Millionen Euro ausgegangen, so dass sich der Konzern jetzt insgesamt auf eine Ergebnis-Minderung von rund 800 Millionen Mark einstellen muss.

Nach der neuen Gewinnwarnung fiel die Bayer-Aktie noch einmal deutlich: Am Donnerstagnachmittag notierte das im Dax notierte Papier bei 34 Euro - das waren fast 2,5 Euro weniger als am Vortag.

Bayer bestätigte unterdessen die Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn, wonach es bislang weltweit 1114 Zwischenfälle in Zusammenhang mit Lipobay gegeben habe. Bayer-Sprecherin Sehnert sagte, der Konzern habe diese Zahl bereits in der vergangenen Woche genannt, dies habe aber keine Beachtung gefunden.

Nach dem Lipobay-Debakel muss sich der Konzern auf hohe Schadenersatzforderungen einstellen, die das Ergebnis weiter belasten könnten. Entsprechende Klagen werden zurzeit von dem US-Anwalt Edward Fagan und seinem Münchner Kollegen Michael Witti vorbereitet. Über die Höhe der Schadensersatzzahlungen gibt es unterschiedliche Schätzungen. Die Deutsche Bank verweist auf Berechnungen von US-Anwälten, die von zwei bis drei Milliarden Dollar ausgehen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Davon könne ein erheblicher Anteil auf den US-Konzern Glaxo-Smithkline entfallen, der das umstrittene Medikament zusammen mit Bayer vertrieben hatte. Nach Berechnungen einer US-Investmentbank belaufen sich die Belastungen dagegen auf weniger als 200 Millionen Dollar.

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