Wirtschaft : Bayer hat das Katastrophenjahr überwunden

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Für den Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist das Katastrophenjahr 2001 abgehakt. Nachdem das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Gewinn nahezu halbierte, blickt der scheidende Konzernlenker Manfred Schneider wieder optimistisch in die Zukunft. "Wenn alles so läuft, wie wir es geplant haben, erhoffen wir uns eine deutliche Verbesserung des Konzerngewinns im Jahr 2002", sagte der Bayer-Vorstandschef am Mittwoch zur Bilanzvorlage in Leverkusen ( siehe Lexikon ). Schneider gab sich bezüglich einer genauen Prognose zwar zurückhaltend, deutete aber gleichzeitig an, dass der Konzerngewinn durch zahlreiche Unternehmensverkäufe im laufenden Jahr deutlich steigen könne.

Nach den Worten von Schneider sei vor allem das Interesse am Duftstoffhersteller Haarmann & Reimer sehr groß. Bayer erwartet verbindliche Angebote bis Mai und einen Vertragsabschluss noch im Sommer. Der Verkauf soll Bayer mehr als 1,5 Milliarden Euro bringen. Im operativen Geschäft rechnet Schneider wieder mit Verbesserungen. Zwar sei der Januar 2002 noch enttäuschend verlaufen, in diesen Wochen helle sich die Stimmung aber schon wieder auf, sagte Schneider. Detaillierte Informationen zum ersten Quartal wird das Pharmaunternehmen am 26. April auf der Hauptversammlung präsentieren.

Das Geschäftsjahr 2001 endete mit einem deutlichen Gewinneinbruch. So reduzierte sich der Konzerngewinn gegenüber dem Vorjahr um 47 Prozent auf 965 Millionen Euro. Damit lag der Konzern immerhin noch über seinen eigenen Prognosen. Bayer hatte zuletzt erwartet, einen Gewinn auf Höhe des Neunmonatsergebnisses von 823 Millionen Euro zu erzielen. Das operative Ergebnis fiel mit 1,6 Milliarden Euro um 51 Prozent geringer aus. Deutliche Einbrüche mussten die Leverkusener vor allem im Pharmabereich hinnehmen. Dort betrugen die Einbußen beim Umsatz 542 Millionen Euro und beim operativen Gewinn 949 Millionen Euro; allein 450 Millionen entfielen auf die Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay. Das mit Todesfällen in Verbindung gebrachte Medikament habe im abgelaufenen Geschäftsjahr aber immer noch rund 600 Millionen Euro Umsatz beigesteuert. Dies habe einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 80 Prozent entsprochen, sagte Schneider. Bei keiner der rund 160 anhängigen Klagen gegen Bayer sei es bislang zur Eröffnung eines Verfahrens gekommen, fügte Schneider hinzu.

Als einziges Bayer-Arbeitsgebiet erzielte im vergangenen Jahr die Sparte Landwirtschaft (Pflanzenschutz, Tiergesundheit) einen Gewinnzuwachs. Das Geschäft unter der neuen Führung von Bayer Crop Science konnte beim Umsatz sieben Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zulegen, operativ verbesserte sich die Sparte um zwölf Prozent auf 625 Millionen Euro. Für den angeschlagenen Pharmabereich (Arbeitsgebiet Gesundheit) ist Bayer für die Zukunft ebenfalls optimistisch. Die Entwicklung werde jedoch nicht nur von Kostenersparnissen getragen, auch rechnet Bayer wieder mit steigenden Absatzzahlen. Das umsatzstärkste Produkt, die Anti-Milzbrandpille Ciprobay, werde eine wichtige Rolle spielen und auch das neue Potenzmittel Vardenafil soll einen Umsatzschub von mindestens einer Milliarde Euro einbringen. Der Verkaufsstart in Nordamerika werde unter dem Markennamen "Nuviva" in der zweiten Jahreshälfte erfolgen.

Aktie gewinnt drei Prozent

Nach der Bekanntgabe der über den Erwartungen liegenden Zahlen des Pharmakonzerns setzte sich die Bayer-Aktie mit einem Plus von knapp drei Prozent auf über 40 Euro an die Spitze der Gewinnerliste. Trotz des Gewinnrückganges will Bayer 68 Prozent seines Ertrages an die Aktionäre ausschütten. Insgesamt müssen die Anteilseigner jedoch eine um 50 Cent auf 0,90 Euro reduzierte Dividende hinnehmen, kündigte der scheidende Vorstandschef Schneider an. Auf der Hauptversammlung wird er nach rund zehn Jahren im Chefsessel des Unternehmens seinen letzten Auftritt haben. Danach soll Finanzvorstand Werner Wenning die neue Bayer-Holding leiten.

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