Wirtschaft : Bayer kann sein Angebot nicht verlängern Was bei der Übernahme jetzt noch möglich ist

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Was passiert, wenn Bayer die erhofften 75 Prozent Mehrheit an Schering bis zum Fristablauf am Mittwoch, 24 Uhr, nicht schafft?

Dann gibt es keine Übernahme. Bayer selbst hatte sich das Ziel gesteckt, mindestens eine Dreiviertelmehrheit an Schering zu erreichen. Wenn das bis zum Fristende nicht gelingt, ist der Übernahmeversuch gescheitert. Am Montag hielt Bayer nach eigenen Angaben erst 61,5 Prozent der Schering-Aktien.

Könnte Bayer die Frist noch einmal verlängern, um den Aktionären mehr Zeit zum Überlegen zu geben?

Die Frist ist vor zwei Wochen schon einmal bis zum 14. Juni verlängert worden. Eine weitere Verlängerung gäbe es nur, wenn Merck bis Mittwochabend noch ein eigenes Übernahmeangebot vorlegt. Das ist kaum zu schaffen.

Bayer bietet offiziell 86 Euro je Schering-Aktie. Kann das Unternehmen auch mehr Geld ausgeben, um Schering-Aktien an der Börse zu kaufen, wo die Aktie derzeit teurer ist?

Theoretisch ja. Allerdings müsste Bayer dann nach einer erfolgreichen Übernahme auch allen anderen Aktionären mehr Geld zahlen. Bei dem von Merck angeblich avisierten Preis von mehr als 90 Euro je Aktie stiege der Gesamtpreis für Schering um 800 Millionen Euro auf deutlich mehr als 17 Milliarden Euro. Bayer könnte indirekt aber über einen Dritten, etwa eine Bank, Schering-Aktien kaufen lassen.

Kann der Bayer-Konzern den Angebotspreis noch erhöhen?

Nein, das geht nicht mehr, weil Bayer die Angebotsfrist schon einmal verlängert hat. Der Konzern hat damals darauf hingewiesen, dass deshalb auch Änderungen am Preis und anderen Angebotsbedingungen nicht mehr möglich sind.

Wie viel Prozent der Schering-Anteile braucht Merck, um die Übernahme zu blockieren?

Da Bayer 75 Prozent der Schering-Anteile zur Voraussetzung für eine Übernahme gemacht hat, kann Merck die Übernahme blockieren, wenn es seinen Anteil von derzeit knapp 19 Prozent auf mindestens 25 Prozent aufstockt. In Finanzkreisen wird erwartet, dass Merck in den nächsten Tagen eine entsprechende Mitteilung herausgibt. Das Unternehmen will das nicht bestätigen.

Wenn die Übernahme scheitert, was passiert dann mit den Schering-Aktien, die Bayer bereits angedient worden sind?

Diese Aktien sind bisher im Rahmen des Übernahmeverfahrens nur zum Verkauf angeboten worden, sie sind aber noch nicht tatsächlich verkauft worden. Wenn Bayer die angestrebte Mehrheit nicht bekommt, werden die Aktien nicht übertragen. Anders ist es mit den Schering-Papieren, die Bayer über die Börse gekauft hat. Sie bleiben natürlich auch im Besitz von Bayer, wenn die Übernahme floppt.

Darf Bayer nach einer gescheiterten Übernahme ein neues Angebot abgeben?

Das Übernahmegesetz schreibt eine Sperre von einem Jahr vor. Eine Ausnahme gibt es, wenn Schering mit dem Angebot einverstanden ist und die Finanzaufsicht Bafin das Vorhaben genehmigt. Bayer könnte bei einem neuen Gebot die Übernahmeschwelle niedriger ansetzen als 75 Prozent. Am Preis ändert sich wahrscheinlich nichts.

Kann es sein, dass Merck dann ein eigenes Angebot für Schering vorlegt?

Sollte die Übernahme durch Bayer scheitern und Merck mindestens 30 Prozent der Schering-Aktien halten, müsste Merck ein Pflichtangebot an die Schering-Aktionäre abgeben. Der Preis richtet sich nach dem durchschnittlichen Börsenkurs und entsprechender Vorerwerbe der letzten drei Monate. pet

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