Wirtschaft : Bayer lässt die Zukunft offen

Aktie rutscht trotz Ergebnissprungs ab

Stefan Kaiser

Leverkusen - Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat im vergangenen Jahr glänzend verdient – und wurde am Montag von der Börse abgestraft. Bayer-Chef Werner Wenning konnte zwar in Leverkusen eine Steigerung des operativen Gewinns (Ebit vor Sondereinflüssen) um 56 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro verkünden. Den Analysten und Aktionären war das allerdings nicht genug. Die Aktie verlor bis zum Börsenschluss etwas mehr als vier Prozent.

Der Gewinn im vierten Quartal 2005 habe leicht unter den Erwartungen gelegen, sagte Analyst Dennis Nacken von Helaba Trust dem Tagesspiegel. Verantwortlich für den Kurseinbruch sei aber vor allem der verhaltene Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr, für das Wenning nur leichte Steigerungen bei Umsatz und Gewinn ankündigte. Da kann auch die Dividende kaum trösten, die erwartungsgemäß um 0,40 Euro auf 95 Cent pro Aktie steigen soll.

„2005 war eines der erfolgreichsten Jahre unserer Unternehmensgeschichte“, sagte Wenning. Die 2003 begonnene Umstrukturierung des Konzerns, in deren Mittelpunkt die Abspaltung eines großen Teils der Chemiesparte (Lanxess) stand, erklärte er für abgeschlossen. Lediglich im Bereich Pflanzenschutzmittel stünden noch Restrukturierungen an. Bayer ist dort zwar Weltmarktführer, im abgelaufenen Geschäftsjahr hatten die Leverkusener allerdings größere Probleme und blieben beim Gewinn hinter den selbst gesteckten Erwartungen zurück. Überraschend gut lief hingegen die Arzneimittel-Sparte, die nach dem Skandal um tödliche Nebenwirkungen des Cholesterinsenkers Lipobay vor fünf Jahren in eine große Krise geraten war. Heute machen neue Produkte wie das Nierenkrebs-Mittel Nexavar Hoffnung, das auch gegen Haut-, Leber- und Lungenkrebs helfen soll. Prächtig läuft auch das Geschäft mit verschreibungsfreien Arzneimitteln, das Bayer 2004 seinem Konkurrenten Roche abgekauft hat. Dazu gehören unter anderem die Wundsalbe Bepanthen und das Magenmittel Rennie. Bayer-Chef Wenning kündigte erneut an, bei den verschreibungsfreien Medikamenten weiter Chancen für Zukäufe zu prüfen. „Alles, was zu unserem Geschäft passt, schauen wir uns an“, sagte Wenning.

Bei der Suche nach Übernahmekandidaten ist Bayer aber wohl nicht alleine. Der Bereich verschreibungsfreier Medikamente, so genannte OTC, ist bei vielen großen Pharmakonzernen heiß begehrt. Sie liefern zwar nicht ganz so hohe Margen wie patentgeschützte Medikamente, bieten aber gleichzeitig auch mehr Sicherheit und geringere Kosten.

Derzeit verhandelt angeblich der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer mit einigen Interessenten, darunter auch Bayer. „Ein solcher Zukauf wäre sicher denkbar“, sagt Analyst Dennis Nacken. Weil offenbar mehrere Bieter im Rennen seien, könnte Bayer aber wegen des Preises zurückschrecken.

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