Wirtschaft : Bayer lässt sich Schering mehr kosten

Der Leverkusener Konzern lockt Aktionäre mit höherem Preis – die geplante Übernahme könnte deutlich teurer werden

Maren Peters

Berlin - Der Bayer-Konzern legt angesichts des drohenden Scheiterns der Schering-Übernahme noch einmal nach. Am Dienstag lockte das Unternehmen Aktionäre des Berliner Pharmaunternehmens mit dem Angebot, deutlich mehr Geld als die offerierten 86 Euro je Schering-Aktie zu zahlen. Über ihre Tochtergesellschaft Dritte BV werde der weitere Erwerb von Schering-Aktien außerhalb des laufenden Angebotsverfahrens erwogen, hieß es in einer Mitteilung von Bayer – entweder über die Börse oder „über andere Wege außerhalb des laufenden Angebotsverfahrens“. Nach Angaben der Finanzaufsicht Bafin ist das zulässig. „Aber wenn Bayer an der Börse mehr Geld zahlt, müsste das Unternehmen allen anderen Aktionären die gleiche Gegenleistung zahlen“, sagte eine Sprecherin. Die Schering-Übernahme würde dadurch deutlich teurer werden als die bisher veranschlagten 16,3 Milliarden Euro.

Die Börse reagierte am Dienstag mit deutlichen Abschlägen. Der Kurs der Bayer-Aktie verlor bis Handelsschluss 5,3 Prozent und rutschte damit ans Ende des Leitindex Dax. Schering-Papiere legten dagegen in einem schwachen Gesamtmarkt um 1,1 Prozent auf 87,20 Euro zu.

Bayer muss bis zum Ende der Angebotsfrist am Mittwoch um 24 Uhr mindestens 75 Prozent der Schering-Anteile kaufen, sonst platzt die Übernahme.

Kurz vor Ablauf der Frist hielt das Unternehmen gestern nach eigenen Angaben rund 60 Prozent an Schering, 23 Prozent davon wurden an der Börse eingesammelt. „Ich werde immer skeptischer, ob die Übernahme gelingt“, sagte Michael Kunert von der Aktionärsvereinigung SdK. Doch die Leverkusener wollen bis zum Schluss kämpfen. „Bayer hält konsequent an seinem Ziel fest, die Dreiviertelmehrheit bei Schering zu erreichen“, erklärte der Vorstand gestern. Inzwischen hat aber auch Merck weitere Schering-Papiere hinzugekauft. Am Montagabend hielt das Darmstädter Pharma- und Chemieunternehmen 20,71 Prozent der Anteile. Damit fehlen nur noch gut vier Prozent bis zur Sperrminorität von 25 Prozent.

Scheitert die Übernahme, erwartet Aktionärsschützer Kunert einen Kursverfall der Schering-Aktie. Bayer müsste sein verbleibendes Aktienpaket dann für mehr als eine Milliarde Euro abschreiben. Auch darum gehen Branchenbeobachter davon aus, dass Bayer alles tun wird, um die Übernahme zu retten. „Auf ein paar Millionen mehr kommt es nicht mehr an, wenn das Ganze in Gefahr ist“, sagte Kunert.

Auf Schering kann Bayer im Kampf um die Mehrheit allerdings nicht zählen. „Wir können die Aktien Bayer nicht andienen“, sagte eine Schering-Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters. Schering hält rund zwei Prozent des eigenen Kapitals. Die Papiere sollten bei Zukäufen und für Mitarbeiter-Optionsprogramme verwendet werden. In Finanzkreisen geht man davon aus, dass Merck seine Schering-Anteile als Druckmittel verwenden will, um Bayer Zugeständnisse entweder beim Preis oder bei Unternehmensteilen abzupressen. Würde Bayer den Preis auf 90 Euro je Aktie aufstocken – so viel hatte Merck nach Medienberichten gefordert – würden auf Bayer Mehrkosten in Höhe von 600 bis 700 Millionen Euro zukommen.

Die Gewerkschaft IG BCE übte unterdessen heftige Kritik an Angreifer Merck. Sabine Süpke, die als Bezirksleiterin Berlin Mark Brandenburg für die IG BCE im Schering-Aufsichtsrat sitzt, warf dem Unternehmen vor, sich „wie ein Hedge-Fonds“ zu benehmen. „Ich bin enttäuscht, dass bei Merck kein vernünftiges Unternehmertum mehr zu erkennen ist“, sagte sie. „Hier scheint es nur darum zu gehen, möglichst viel herauszuschlagen.“ Die Gewerkschafterin befürchtet, dass das Unternehmen unter der Übernahmeschlacht leidet und dass Leute gehen“. Schering sei ein forschendes Pharmaunternehmen, das von den Ideen seiner Mitarbeiter lebe. „Das funktioniert dann nicht mehr“, sagte Süpke.

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