Wirtschaft : Bayer meldet Interesse an Hoechst an

LEVERKUSEN (agr/HB).Einen schlechten Start in das neue Geschäftsjahr hat die Bayer AG, Leverkusen, erwischt."Unsere Erlöse stehen zur Zeit aufgrund des anhaltenden Preisverfalls und der konjunkturellen Eintrübung unter Druck", räumte Vorstandsvorsitzender Manfred Schneider gestern bei der Bilanzpressekonferenz ein.Der Umsatz lag in den ersten beiden Monaten 1999 um 10 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums.Hierbei sei allerdings zu berücksichtigen, daß der Konzern 1998 ein besonders gutes erstes Quartal ausgewiesen habe.

Für das Gesamtjahr ist Schneider aber optimistisch, den Umsatz auf vergleichbarer Basis, also bereinigt um den Börsengang der Agfa, zumindest zu halten.Beim Ergebnis sieht er Chancen, an die zufriedenstellende Entwicklung des Vorjahres anzuknüpfen.Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Arbeitsgebiet Gesundheit.1999 will Bayer erneut über 10 Mrd.DM investieren.

Für Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang die Bemerkung Schneiders, daß dieser Betrag auch bedeutend höher ausfallen könnte, sollte sich die Gelegenheit für größere Übernahmen ergeben.Schneider: "Dabei gibt es keine finanzielle Begrenzung." Konkret: Bayer hat Interesse an Hoechst.Wenn es nicht zu dessen geplanter Fusion mit Rhône-Poulenc komme, "dann fangen wir wieder neu an zu denken", sagte Schneider.Ein konkretes Angebot zum Kauf von drei Teilgeschäften habe Bayer dem britischen Konkurrenten Zeneca unterbreitet, der mit der schwedischen Astra zusammengehen will.

Auch ohne Übernahmen hat Bayer ehrgeizige Pläne für das Arbeitsgebiet Gesundheit, dessen Rendite 1998 rückläufig war.Bis zum Jahr 2001 will Bayer hier das Ergebnis um mehr als eine Mrd.DM steigern.Allein 700 Mill.DM sollen dabei aus Einsparungen im Pharmabereich kommen, "die wir jährlich in vollem Umfang ab 2001 realisieren werden".Dazu sollen weltweit Standorte konzentriert, die Produktentwicklung beschleunigt, das Sortiment gestrafft und das Portfolio weiter bereinigt werden.

Zur Verbesserung der Ertragslage im Arbeitsgebiet Gesundheit soll auch der Diagnostikabereich beitragen.Bis zum Jahr 2001 soll der Umsatz hier auf 4,4 Mrd.DM mehr als verdoppelt werden.Angepeilt wird ein Ergebniszuwachs von 400 Mill.DM.Auch Consumer Care soll sich weiter verbessern, so daß 2001 ein Ergebnis von über drei Mrd.DM im Arbeitsgebiet Gesundheit erreicht werden kann.

Die Umsatzstagnation im vergangenen Jahr führte Schneider vor allem auf die Asienkrise zurück.In dieser Krisenregion habe Bayer zwölf Prozent oder eine Mrd.DM an Umsatz eingebüßt.Demgegenüber hätten sich die Einbußen in Lateinamerika in Grenzen gehalten.Das Europageschäft habe mit einem Zuwachs um 540 Mill.DM oder plus zwei Prozent eine stabile Tendenz aufgewiesen.In Osteuropa habe der anhaltend kräftige Aufwärtstrend in den Reformstaaten Ungarn und Polen ausgereicht, um die Einbußen in Rußland auszugleichen.Zwar habe Bayer in Rußland 28 Prozent weniger umgesetzt als 1997.Doch sei der Effekt des Rußlandgeschäfts für Bayer mit einem Umsatzanteil von 0,2 Prozent gering.

Grundlegende Bedeutung für die Ertragslage des Konzerns habe das europäische Geschäft, das sich positiv entwickelt habe.Einziger Wermutstropfen: das operative Ergebnis der Bayer AG in Deutschland sei um drei Prozent zurückgegangen.

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